Berlin - Der Alexanderplatz gilt als wichtigster Standort für neue Hochhäuser in Berlin. Nach dem überarbeiteten Masterplan des Architekten Hans Kollhoff von 1993 sollten dort eigentlich neun bis zu 150 Meter hohe Türme rund um das Hotel Park Inn entstehen. Doch nun will der Senat die Pläne ändern.

Die Hochhäuser sollen mehr Rücksicht auf die vorhandene Bebauung nehmen – und sich an dem rund 130 Meter hohen Hotel Park Inn orientieren. Das geht aus einer offiziell noch nicht veröffentlichten Antwort der Senatsverwaltung für Umwelt, Verkehr und Klimaschutz auf eine Anfrage der Linken-Abgeordneten Katalin Gennburg und Gabriele Gottwald hervor.

Die Änderung kommt einer mittleren Revolution in der Stadtplanung gleich. Denn sie zielt darauf ab, dass die Grundstückseigentümer Abstriche bei der geplanten Ausnutzung ihrer Flächen machen. Was wiederum bedeutet: Sie werden auf Gewinne verzichten müssen.

Blick auf den Fernseturm soll frei bleiben

Angebahnt hat sich der Wandel in der Planung mit der Übernahme des Stadtentwicklungsressorts durch Katrin Lompscher (Linke). Sie hatte schon früher gefordert, dass die Türme am Alexanderplatz nicht so hoch werden dürften – um den Blick auf den Fernsehturm nicht zu verstellen.

Zwar nimmt der vor drei Jahren überarbeitete Masterplan für den Alex schon mehr Rücksicht auf die vorhandene Bebauung wie das denkmalgeschützte Haus des Reisens, das nun nicht mehr für ein Hochhaus abgerissen werden soll. Die Höhe der Türme war aber darin bisher noch nicht infrage gestellt worden.

Zunächst sollen die beiden geplanten Hochhäuser am Hotel Park Inn und auf dem Areal des Kaufhofs schrumpfen. Die Senatsverwaltung für Stadtentwicklung erklärte auf Anfrage der Berliner Zeitung, sie strebe mit den Grundstückseigentümern „eine am bestehenden Park-Inn-Hotel orientierte Höhenentwicklung an“.

Dabei stützt sich die Stadtentwicklungssenatorin auf das Baukollegium, das die Stadt in architektonischen Fragen berät. Das Baukollegium empfahl auf seiner letzten Sitzung im Dezember „eine einheitliche Höhenentwicklung“ – allerdings „für alle Hochhäuser am Alexanderplatz“.

Senat kann Investoren nicht zwingen

Das birgt Konfliktstoff, weil sich wahrscheinlich nicht jeder Investor damit anfreunden mag. Immerhin: Der Eigentümer des Hotels Park Inn, das französische Unternehmen Foncière des Régions (FdR), zeigt sich aufgeschlossen für die Änderung.

„Wir sehen das neutral und folgen hier den Empfehlungen des Baukollegiums und des Senats, da sie das Projekt eher aus einer Stadtentwicklungsperspektive sehen als wir“, erklärte Marcus Bartenstein, der bei der FdR-Tochter Immeo für die Hochhauspläne zuständig ist. Laut Stadtentwicklungsbehörde wurden alle Grundstückseigentümer über die Bestrebungen informiert, sich stärker am Bestand zu orientieren.

„Grundsätzlich besteht auch bei allen Grundstückseigentümern die Bereitschaft, die künftige Bebauung gemeinsam mit dem Land Berlin zu entwickeln“, sagt Behördensprecherin Petra Rohland. Dort, wo rechtlich der Bau eines 150 Meter hohen Turms möglich ist, kann der Senat einen Investor aber nicht zwingen, ein niedrigeres Haus zu errichten.

Verkehrsfrage ist weitgehend ungelöst

Stadtentwicklungssenatorin Lompscher kann bei den geplanten Änderungen auf ihre Fraktion bauen. „Wir unterstützen den Senat dabei, eine stärker an den bestehenden Häusern ausgerichtete Planung zu betreiben und durch eine einheitliche Höhenvorgabe eine stärkere Ensemblewirkung zu erzeugen“, sagt die Linken-Abgeordnete Katalin Gennburg.

Selbst die geschrumpften Hochhäuser könnten allerdings zum Problem werden. Noch ist die Frage offen, wie das zusätzliche Verkehrsaufkommen bewältigt werden kann, das durch Tausende neue Arbeitsplätze und Wohnungen entsteht.

Gennburg warnt: „Die Verkehrsfrage ist weitgehend ungelöst.“ Bereits heute sei die auf der Stadtbahn verkehrende S-Bahn stark ausgelastet und teilweise an der Kapazitätsgrenze. „Das bloße Rufen nach ‚Höher, schneller, weiter‘ in punkto Hochhausbau ist völlig realitätsfern“, sagt Gennburg.