Berlin - Die Zeit der Gigantomanie in der Karl-Marx-Allee zwischen dem Alexanderplatz und dem Strausberger Platz ist vorbei. Und auch die Zeit der ideologischen Auseinandersetzungen zwischen Senat, Bezirk, Stadtplanern und Architekten hat ein Ende. Stets ging es dabei um die Frage, welchen Wert das Wohngebiet in Mitte mit den meist acht- und zehngeschossigen Plattenbauten eigentlich hat.

Die Antwort fällt jetzt klar aus: einen sehr hohen Wert, denn das Viertel, in dem fast 10 000 Menschen leben, sei ein Beispiel für die sozialistische Moderne der DDR in den 60er-Jahren mit großzügigen Freiflächen zwischen den Häusern. „Das Gebiet ist eine der bedeutendsten Schöpfungen der Nachkriegszeit nicht nur in Deutschland“, sagt Manfred Kühne von der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung.

Senat und Bezirk haben sich deshalb darauf geeinigt, die strenge Struktur beiderseits der Karl-Marx-Allee zu erhalten. Neue Häuser dürfen maximal fünf Geschosse, also nicht mal 20 Meter hoch gebaut werden. Und das auch nur an wenigen Stellen. Zum Beispiel in der Schillingstraße, die derzeit eher eine heruntergekommene Einkaufsstraße ist. Die Erdgeschosse dort sind für Geschäfte, Restaurants und einen Discounter vorgesehen. Auch Arztpraxen könnten entstehen. Darüber soll gewohnt werden.

Fünf neue Pavillons möglich

Gebaut werden darf auch hinter dem Rathaus Mitte an der Berolinastraße, der kleine Supermarkt wird abgerissen. Ursprünglich wollte dort ein Investor 14 Etagen in die Höhe. „Das schlimmste konnten wir aber verhindern“, sagt Stadtplanungsamtschefin Kristina Laduch.

In der Karl-Marx-Allee selbst ist vorgesehen, die Reihe mit kleinen, nur zweigeschossigen Pavillons (Café Moskau, ehemalige Mokka-Milch-Eisbar) bis zum Alexanderplatz zu verlängern. Fünf neue Pavillons sind möglich. Zudem könnte die Straße in die Planung für eine Internationale Bauausstellung im Jahr 2020 aufgenommen werden.

Der historische Stadtgrundriss der alten Königsstadt, wie ihn der ehemalige Senatsbaudirektor Hans Stimmann wieder herstellen und dutzende neue Wohntürme vor und zwischen die DDR-Plattenbauten stellen wollte, spielt keine Rolle mehr. „Alles sollte verriegelt, vorgeriegelt und verdichtet werden, das ist jetzt anders“, sagt Mittes neuer Baustadtrat Carsten Spallek (CDU). Ziel sei nun eine „behutsame Entwicklung“ der Karl-Marx-Allee.