Eine größere Gruppe junger Männer hat in der Nacht zu Samstag im U-Bahnhof Alexanderplatz einen schlafenden Mann attackiert und verletzt. Mitarbeiter der Berliner Verkehrsbetriebe (BVG) hatten gegen 2.40 Uhr die Polizei alarmiert, weil mehrere Personen aus der 10- bis 15-köpfigen Gruppe den 28-Jährigen traten und auf ihn einschlugen – unter anderem mit einem Gürtel. Der Somalier hatte zuvor auf einer Bank auf dem Bahnsteig der Linie U8 geschlafen. Er erlitt bei dem Angriff Kopfverletzungen, die jedoch vor Ort versorgt werden konnten.

Als drei Mitarbeiter des Ordnungsdienstes dem Opfer zur Hilfe kamen, flüchtete die Gruppe. Den BVG-Mitarbeiten gelang es jedoch, einen der jungen Männer bis zum Eintreffen der Polizei festzuhalten. Der 17-jährige Syrer wirkte betrunken und wurde zu einer Gefangenensammelstelle zur Blutentnahme gebracht. Danach wurde er einem Betreuer in einer Wohneinrichtung übergeben. 

Angriff erinnert an Feuerattacke auf einen Obdachlosen an Weihnachten 2016

Vor einem Jahr hatten sieben junge Männer am Weihnachtsabend einen schlafenden Obdachlosen im U-Bahnhof Schönleinstraße in Kreuzberg angegriffen. Die Flüchtlinge aus Syrien und Libyen hatten versucht, den auf einer Bank liegenden Mann anzuzünden. Fahrgäste löschten die Flammen, der ahnungslose Mann aus Polen blieb unverletzt. 

Das Tatgeschehen auf dem Bahnsteig war von einer Überwachungskamera der BVG gefilmt worden. Bis auf den 21-jährigen Haupttäter hatten sich alle Männer nach der Veröffentlichung ihrer Bilder selbst gestellt. 

Im Juni dieses Jahres verurteilte das Berliner Landgericht den 21-Jährigen wegen versuchter gefährlicher Körperverletzung zu einer Haftstrafe von zwei Jahren und neun Monaten. Die Staatsanwaltschaft wollte ein Urteil wegen versuchten Mordes erreichen und verlangte eine Haftstrafe von vier Jahren. Dem folgte das Gericht nicht. Sechs Mitangeklagte wurden wegen Beihilfe oder unterlassener Hilfeleistung zu Bewährungsstrafen oder Arrest verurteilt. Ihr Motiv für den Angriff auf den Schlafenden: Langeweile. (BLZ)