In die mehr als 20 Jahre alte Hochhausplanung für den Alexanderplatz kommt offenbar Bewegung. Nach Auskunft der Architekten Ortner + Ortner, die für den russischen Investor Monarch ein Hochhaus neben dem Einkaufszentrum Alexa planen, ist mit der Einreichung des Bauantrages Ende des ersten Halbjahres 2015 zu rechnen. Das geht aus der Antwort von Senatsbaudirektorin Regula Lüscher auf eine parlamentarische Anfrage der Linken-Abgeordneten Katrin Lompscher hervor. Die Antwort wurde noch nicht offiziell veröffentlicht, liegt der Berliner Zeitung aber vor.

Nach den Plänen von Ortner + Ortner will der russische Investor Monarch neben dem Haupteingang des Einkaufszentrums an der Gruner-/Ecke Alexanderstraße ein 150 Meter hohes Turmhaus errichten. Das Bezirksamt Mitte hat bereits im vergangenen Jahr in einem Bauvorbescheid erklärt, dass dem Projekt grundsätzlich nichts entgegensteht. Möglich ist danach, auf dem Areal ein Hochhaus mit einer Geschossfläche von 42.000 Quadratmetern zu errichten. Bis zum dritten Vollgeschoss ist eine Einzelhandelsnutzung erlaubt, darüber dürfen Büros entstehen.

Das Vorhaben von Monarch ist das zweite Hochhaus-Projekt, das aktuell am Alexanderplatz geplant wird. Außer Monarch will noch der US-Investor Hines ein Hochhaus errichten. Es soll neben dem Elektronikmarkt Saturn entstehen. Das Hines-Projekt ist aber ins Stocken geraten. Grund: Die Arbeiten am Bebauungsplan wurden im August 2013 wegen Bedenken der Berliner Verkehrsbetriebe (BVG) unterbrochen. Die BVG befürchtet, dass der U-Bahn-Tunnel der Linie U5, der in unmittelbarer Nähe zu dem Hochhaus-Standort liegt, zu Schaden kommen könnte – und fordert Vorkehrungen für den Notfall.

Keine Einigung

Hines und BVG verhandeln zwar über eine Vereinbarung für den Ernstfall, haben sich laut Senatsbaudirektorin Lüscher aber noch nicht verständigen können. Hines verhandelt zudem mit dem Senat über einen städtebaulichen Vertrag. Darin geht es unter anderem um den Bunker auf dem Areal, der vor den Bauarbeiten abgetragen werden soll, sowie um „Wohnfolgemaßnahmen“, wie der Sprecher der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung, Martin Pallgen, in bestem Behördendeutsch sagt. Zu „Wohnfolgemaßnahmen“ zählen beispielsweise Kindertagesstätten und Schulen, die nach dem Bau von Wohnungen notwendig werden. Alle Maßnahmen sollen finanziell durch den Investor abgesichert werden, so Pallgen, also von ihm bezahlt werden. Eine Einigung steht noch aus.

Hines hatte seine Hochhaus-Pläne bereits im vergangenen Jahr vorgestellt. Das US-Unternehmen will nach einem Entwurf des US-Star-Architekten Frank O. Gehry einen in sich verdrehten Turm errichten. In dem 39-stöckigen Gebäude soll in den unteren Geschossen ein Hotel entstehen, darüber sind Wohnungen geplant. Baubeginn für das 200 bis 250 Millionen Euro teure Projekt sollte eigentlich schon 2015 sein. Dieser Termin dürfte aber angesichts der ungelösten Probleme kaum einzuhalten sein.

Entwurf noch geheim

Während das Hines-Projekt nicht vorankommt, wird an der Planung des Hochhauses neben dem Einkaufszentrum Alexa fleißig gearbeitet. Im Baukollegium, einer Expertenrunde, die Senatsbaudirektorin Lüscher berät, präsentierte das Büro Ortner + Ortner im vergangenen Jahr zwei Turm-Varianten. Das Baukollegium empfahl zur weiteren Bearbeitung einen Turm aus drei ineinander verdrehten Kuben. Wie der Entwurf aussieht, ist bisher streng geheim.

Das stößt auf Kritik. „Bei der Entwicklung des Alexanderplatzes scheuen alle Beteiligten die Öffentlichkeit und enthalten sich klarer Aussagen“, bemängelt die Linken-Abgeordnete Lompscher. Sie verlangt, dass der Entwurf endlich veröffentlicht wird. Eine breite Debatte über die Hochhaus-Planung sei notwendig, so Lompscher. Dazu gehöre eine städtebauliche Begutachtung darüber, wie sich das geplante Hochhaus neben dem Alexa „auf die Stadt, ihre Silhouette, die Sichtachsen“ und den öffentlichen Raum auswirke. Die Linke will vor allem verhindern, dass durch die Hochhäuser die Sicht auf den Fernsehturm verstellt wird.

Ob es eine breite Debatte geben wird, ist offen. Der Investor Monarch ist nach Angaben von Senatsbaudirektorin Lüscher nicht gezwungen, die Berliner bei der Planung einzubeziehen. Schließlich gibt es einen gültigen Bebauungsplan. „Eine Beteiligung des Abgeordnetenhauses und der Öffentlichkeit kann dem Bauherrn lediglich empfohlen werden, da es derzeit für eine formelle Beteiligung im Baugenehmigungsverfahren keine Rechtsgrundlage gibt“, erklärt die Senatsbaudirektorin. Von Monarch war keine Stellungnahme zu erhalten.