Die einen fordern eine kleinteilige Bebauung nach historischem Vorbild, die anderen wollen das Areal zwischen Bahnhof Alexanderplatz und Marx-Engels-Forum lieber komplett von weiteren Bauten freihalten. Was aus der Fläche rund um den Fernsehturm werden soll, ist seit Jahren umstritten. CDU und SPD haben sich darauf verständigt, die Gestaltung in einem städtebaulichen Wettbewerb zu klären. Er soll im nächsten Jahr ausgelobt werden. Bereits jetzt, ein Jahr zuvor, startet Senatsbaudirektorin Regula Lüscher eine breite Debatte über die Zukunft des Ortes.

„Um den Wettbewerb vorzubereiten, möchte ich mit allen wichtigen gesellschaftlichen Akteuren und den Bürgern einen Dialog führen“, sagte die Senatsbaudirektorin in einem Gespräch mit der Berliner Zeitung. Zu diesem Zweck konstituiere sich am 3. April ein Kuratorium, in dem der Bezirksbürgermeister von Mitte, Christian Hanke (SPD), die Senatskanzlei, die Wohnungsbaugesellschaft Mitte, die Stiftung Zukunft Berlin und die Hermann-Henselmann-Stiftung vertreten sind. Mit dabei sind ferner das Bürgerforum Historische Mitte, die Stiftung Berliner Schloss/Humboldtforum, die Landeskirche, die Tourismuswerber von Visit Berlin, der Präventionsrat und die Gruppe Think Berlin, eine Initiative von Wissenschaftlern, die sich kritisch mit der Stadtplanung auseinandersetzen.

Auf öffentlichen Veranstaltungen sollen die Experten thematische Vorschläge für die Gestaltung und Nutzung des Areals diskutieren, sagte Lüscher. Zur Debatte stehen dabei die folgenden drei Varianten: eine kleinteilige Bebauung nach historischem Vorbild, eine Freihaltung von jeglicher neuer Bebauung und eine teilweise Bebauung des öffentlichen Raumes durch öffentliche Institutionen.

Diese drei Gestaltungsvarianten sollen jeweils anhand verschiedener Themen auf ihre Machbarkeit überprüft werden: Beispielsweise soll es darum gehen, ob die Gestaltungsvarianten zum Ziel einer internationalen Stadt passen, oder ob man sich an dieser Stelle eher einen kiezbezogenen Ort vorstellen kann oder wie die Gestaltungsvarianten zu einer kulturellen oder politischen Nutzung passen würden. „Als öffentliche Institution wäre beispielsweise die Einrichtung eines Bürgerforums denkbar, in dem über wichtige stadtpolitische Themen diskutiert wird“, sagte Lüscher.

Der Druck wächst

Ziel ist es, nach einem Jahr Vorschläge für die Wettbewerbsaufgabe zum Rathausforum zu erarbeiten, sagte Senatsbaudirektorin Lüscher. Diese Vorschläge sollen dann dem Abgeordnetenhaus zur weiteren Beratung vorgelegt werden. Am Ende des Prozesses werde man dann wissen, wie die Aufgabenstellung für den Wettbewerb formuliert werde. „Wir werden Workshops, öffentliche Veranstaltungen und eine Internetplattform als Beteiligungsmöglichkeiten für die Bürger anbieten“, sagte Lüscher. „Jeder, der will, kann sich beteiligen.“ Um eine Vorstellung von der Zukunft des Rathausforums zu bekommen, sollen Architekturbüros die drei möglichen Gestaltungsvarianten jeweils anhand von Computersimulationen darstellen.

Politisch finden sich Anhänger einer kleinteiligen, parzellierten Bebauung des Rathausforums sowohl in der CDU als auch in der SPD. Vor einem Jahr sprach sich SPD-Parteichef Jan Stöß für eine Bebauung des Rathausforums aus. Stöß legte sich damit jedoch mit der Behörde von Stadtentwicklungssenator Michael Müller (SPD) an, dessen Senatsbaudirektorin einer kleinteiligen Bebauung eher kritisch bis ablehnend gegenüber steht. In der Stadtentwicklungsverwaltung warnt man davor, dass Alteigentümer Ansprüche auf die Grundstücke erheben könnten, wenn die jetzigen öffentlichen Freiflächen des Rathausforums in Bauland umgewandelt werden. Soweit die Flächen als Grünanlagen genutzt werden, waren sie nicht zurückzugeben. Sollten die Areale aber bebaut werden, könnte sich das ändern.

Der Druck für eine Umgestaltung des Rathausforums wächst jedoch. In einer kürzlich veröffentlichten „Charta für die Mitte von Berlin“ der Planungsgruppe Stadtkern des Vereins Bürgerforum Berlin wird die Gestaltung des historischen Zentrums als „zentrale Aufgabe von morgen“ bezeichnet. Ziel sei die „Orientierung am Jahrhunderte alten Stadtgrundriss unter Einbezug neuer Eingriffe und künftiger Projekte“ sowie der „Abschied vom autogerechten Städtebau“, heißt es in der Charta.

Die Verfasser sprechen sich unter anderem dafür aus, herausragende Denkmäler und Bauwerke wieder an ihren Originalstandort zurückzuversetzen. Der Neptunbrunnen, der jetzt noch auf dem Rathausforum steht, soll beispielsweise auf den Schlossplatz zurückkehren, die Königskolonnaden, die am Kleistpark stehen, sollen vor dem Cubix-Kino aufgestellt werden.