Berlin - Ob auf dem Alexanderplatz oder auf der Fischerinsel – die Pläne für den Bau neuer Hochhäuser sollen noch einmal überprüft werden. Dafür hat sich Stadtentwicklungssenatorin Katrin Lompscher (Linke) ausgesprochen.

„Ich stehe der Planung ja schon lange kritisch gegenüber“, sagte Lompscher zu den Ideen für den Alexanderplatz, wo nach einem Entwurf des Architekten Hans Kollhoff neun bis zu 150 Meter hohe Türme entstehen sollen. Dort müsse beispielsweise über den vorgeschlagenen Bau eines Turms hinter dem ehemaligen Haus des Reisens gesprochen werden.

Ursprünglich sollte das zu DDR-Zeiten errichtete Haus abgerissen werden und ein 150-Meter-Turm an dessen Stelle entstehen. Nachdem das Haus des Reisens im Jahr 2015 unter Denkmalschutz gestellt wurde, veränderte Alex-Architekt Hans Kollhoff aber den Standort für den Turm – und versetzte ihn einfach hinter das ehemalige Haus des Reisens. Zum Ärger von Lompscher. „Ich kann nachvollziehen, dass jemand die Bebaubarkeit seines Grundstücks sichern will, indem er einfach den Standort für das Hochhaus verändert“, sagte die Senatorin. „Aber damit ist die Logik des städtebaulichen Konzepts durchbrochen.“ Die sieht vor, dass die Türme beidseits der Alexanderstraße aus niedrigeren Gebäudeblöcken empor wachsen – nicht irgendwo zurückversetzt. Da es kein Baurecht für einen Turm hinter dem Haus des Reisens gibt, sind Lompschers Chancen gut, das Projekt zu stoppen.

Anders sieht es mit dem 150 Meter hohen Wohnhaus aus, das der russische Investor Monarch neben dem Einkaufszentrum Alexa plant. An dem Projekt hat Lompscher schon als Oppositionspolitikerin immer wieder Bedenken angemeldet, weil der Turm den Blick von der Karl-Marx-Allee auf den Fernsehturm verstelle. Doch hat der Bezirk Mitte für ein Hochhaus an dieser Stelle bereits einen Bauvorbescheid erteilt. Das bedeutet, dass er den Bau für grundsätzlich möglich einstuft. Der Investor hat den Bauantrag eingereicht und ist guter Dinge, die Genehmigung zu erhalten. Im März sollen die Arbeiten beginnen. „Meine Position, dass dieser Standort stadträumlich kritisch ist, nehme ich nicht zurück“, bekräftigt Lompscher jedoch ihre Ablehnung.

Hotelturm als Maß der Dinge

Der neuen Stadtentwicklungssenatorin sagt die gesamte Höhenentwicklung am Alexanderplatz nicht zu. Es sei unstrittig, dass „im Kontext des Hotels Park Inn weitere Hochhäuser entstehen können“, sagte Lompscher. Doch sollten diese mit Rücksicht auf den Fernsehturm nicht höher als das Hotel Park Inn werden, das eine Höhe von 128 Metern erreicht. „Das hat etwas mit der städtebaulichen Komposition zu tun“, begründet Lompscher ihre Haltung. „Die Kuppel des Fernsehturms beginnt auf 180 Metern Höhe und hat bei 203 Meter die Aussichtsplattform.“ Eine etwas niedrigere Höhe der Türme vergrößere die Wirkung des Fernsehturms.

Lompscher geht davon aus, dass sich die jetzigen Pläne für neun Türme am Alexanderplatz noch einmal verändern. „Wenn wir uns vergegenwärtigen, was seit 1993 als Plan existiert und was bis heute davon realisiert wurde, kann man davon ausgehen, dass es in jedem Fall noch Änderungen geben wird, die aber nicht ausschließlich vom Willen der Stadt abhängen.“ Hier seien die Investoren mit ihren Vorstellungen „die Variablen“, sagte die Senatorin. „Natürlich bin ich für Diskussionen mit den Eigentümern über veränderte Planungen sehr aufgeschlossen.“ Konkrete Hochhaus-Pläne gibt es bislang allerdings nur noch für das Grundstück neben dem Elektronikmarkt Saturn, auf dem der US-Investor Hines einen 150 Meter hohen Turm plant.

Nicht weit vom Alexanderplatz entfernt, auf der Fischerinsel, gibt es Streit um ein weiteres Hochhaus. Die Wohnungsbaugesellschaft Mitte (WBM) will dort ein Wohnhaus mit 19 Etagen errichten.

Der Bezirk lehnt das Vorhaben ab, genauso wie die Anwohner, die keine so dichte Bebauung wollen. Die Senatsverwaltung für Stadtentwicklung gab dem Widerspruch der WBM gegen die Ablehnung des Bezirks jedoch noch kurz vor der Amtsübernahme von Katrin Lompscher statt. Trotzdem ist das umstrittene Bauprojekt damit noch nicht durch. „So viel ich weiß, hat der Bezirk Vorbehalte gegen die Widerspruchsentscheidung meines Vorgängers geltend gemacht“, sagte Lompscher. „Darüber werden wir kurzfristig Gespräche führen.“ Das bedeute, dass jetzt Möglichkeiten ausgelotet werden, „wie man zu einem breiter getragenen alternativen Vorschlag kommen könnte“, sagte Lompscher. Im Klartext: Die Chancen für das Hochhaus schwinden.

Öffentliche Aussichtsterrassen

Der Bau des geplanten 175 Meter hohen Towers neben dem Hotel Estrel ist dagegen wohl nicht mehr zu stoppen. In Anbetracht des fortgeschrittenen Planungsstands und der Zuständigkeit des Bezirks Neukölln gehe sie davon aus, „dass dieses Projekt Teil der Hochhausentwicklung sein wird“, sagte Lompscher. Um Ordnung in die Hochhausplanung zu bringen, will die Koalition in dieser Legislaturperiode einen Hochhausentwicklungsplan erarbeiten. Einvernehmen besteht bisher über drei Hochhausstandorte: den Alexanderplatz, den Potsdamer Platz und die City-West. Lompscher sagte, bei der Erarbeitung des Hochhausplans sollten auch Kriterien für die gemischte Nutzung von Hochhäusern entwickelt werden. „Es wäre sehr wichtig, dass es nicht nur einen Vorteil für den Eigentümer dieser Immobilien gibt, sondern dass man auch einen Nutzen für die Allgemeinheit erzielt.“ Zum Beispiel durch öffentliche Aussichtsterrassen.