Berlin - Der Vorschlag von Senatsbaudirektorin Regula Lüscher zur Änderung der Hochhausplanung am Alexanderplatz ist überwiegend positiv aufgenommen worden. „Wir begrüßen, dass Abstand von der bisherigen Planung genommen wird“, erklärte Grünen-Fraktionschefin Antje Kapek am Donnerstag.

Die bestehenden Gebäude müssten bei der künftigen Planung viel stärker berücksichtigt werden. Zugleich sollte aber auch die Aufenthaltsqualität verbessert werden. Zurzeit mute der Alexanderplatz wie eine Betonwüste an. Es müsse ein Ort entstehen, an dem sich die Menschen gerne aufhalten, sagte Kapek.

Bisheriger Plan „im Grunde nicht umsetzbar“

Die Senatsbaudirektorin hatte in einem Interview mit der Berliner Zeitung für eine Umplanung am Alex geworben, die sich stärker an den bestehenden Gebäuden orientiert. Der bisherige Masterplan des Architekten Hans Kollhoff zum Bau von zehn 150 Meter hohen Turmhäusern sei „im Grunde nicht umsetzbar“, sagte sie. Denn viele der neuen Gebäude sollten dort errichtet werden, wo bereits Häuser stehen. Aktuell gibt es nur Interesse zum Bau eines Hochhauses durch das US-Unternehmen Hines. Der Turm soll auf einer Freifläche neben dem Saturn-Gebäude entstehen.

Die SPD-Abgeordnete Ellen Haußdörfer sagte, ihre Fraktion halte grundsätzlich an dem bestehenden Hochhausplan fest, wobei man nach 20 Jahren sicherlich über die Realisierungsmöglichkeiten und gegebenenfalls über Anpassungen des Plans diskutieren könne. „Wir greifen deshalb den Impuls von Frau Lüscher auf und schlagen eine öffentliche Anhörung im zuständigen Ausschuss vor, in der Investoren, Planer, Architekten, Anwohner und Verwaltung ihre Vorstellungen, Wünsche und Kritik äußern können“, sagte Haußdörfer. „Wenn man Stadt zentralisiert, so ist ein begrenztes Gebiet für Hochhäuser notwendig und das ist der Alex, wie wir noch 2010 mit einem Beschluss im Bau-Ausschuss bestätigt haben“, sagte sie.

Die CDU äußerte sich ähnlich. „Der Alexanderplatz ist und bleibt der prädestinierte innerstädtische Ort für eine Hochhausbebauung“, sagte der CDU-Abgeordnete Stefan Evers. „Wir werden jeder Anpassung der bestehenden Bebauungspläne zustimmen, die die Realisierungschancen für die Umsetzung der städtebaulichen Leitziele des Masterplans erhöht.“ Dazu sei es notwendig, auf die bestehenden Gebäude zu reagieren und die Parzellen möglicher Hochhausstandorte gegebenenfalls zu verändern.

„Umgekehrt werden wir keiner Planung zustimmen, die die bauliche Banalisierung dieses wichtigen innerstädtischen Platzes verfestigt“, sagte Evers. Es sollte aber die Chance genutzt werden, die Zukunft des Alexanderplatzes gemeinsam mit einer Wiederbebauung des Rathausforums zu erörtern. Mittes Baustadtrat Carsten Spallek (CDU) sagte: „Es ist zulässig, nach 20 Jahren die Planung zu überdenken, wenn sie nicht realisierbar ist.“

Lompscher wirbt für Sichtachsen

Ex-Senatorin Katrin Lompscher (Linke) betonte, die bisherige Planung für den Alexanderplatz habe die Entwicklung „eher blockiert als gefördert“. Wenn die neue Planung erfolgreich sein soll, müssten die Eigentümer rund um das Areal mit einbezogen werden, auch die Wohnungsgenossenschaften. Der Platz könne zwar auch künftig ein Hochhausstandort sein, doch dürften dort nicht so viele Hochhäuser entstehen. Sichtachsen wie auf das Haus des Lehrers sollten nicht verstellt werden.

Die Vorsitzende des Bürgervereins „Schöne Mitte – schöne Stadt“, Annette Ahme, warb dafür, auf Hochhäuser komplett zu verzichten. Die Pläne für das Hochhaus des US-Unternehmens Hines sollten nicht weiter verfolgt werden. Das bestehende Haus des Hotels Park Inn solle nur noch zeitlich befristet für 10 bis 20 Jahre stehen bleiben und dann abgerissen werden.