Berlin-Alexanderplatz - Stare sind schillernd, gerissen und vorlaut. Damit passen sie bestens zu Berlin und den Berlinern. Sie sind auch Zugvögel, wenn damit gemeint ist, dass sie immer öfter in S-Bahn-Zügen und in Bahnhöfen auftauchen. Die gefiederten Schwarzfahrer finden dort fast unbegrenzt Nahrung – Schrippenkrümel, Döner-Reste, China-Pfanne.

30 Stare am Alex

Das größte Jagdrevier der Stare ist der Bahnhof Alex. Früh am Morgen trippeln die hungrigen Vögel zwischen den Füßen der wartenden Fahrgäste umher. Der Croissant-Stand und die Abfalleimer auf dem Bahnsteig verheißen ein schnelles Frühstück. Als die S-Bahn einfährt und sich die Türen öffnen, hüpfen zwei Stare in den Waggon. Auf einer Haltestange fahren sie unter den Augen staunender Passagiere in Richtung Westen. Der „Star-Express“ rattert los.

Auf etwa 30 Stare beziffert Derk Ehlert, Wildtier-Experte des Senats, die Population am Alex. In der hohen Bahnhofshalle klingt ihr Gezwitscher allerdings, als wären es dreimal so viele. Einen typischen Gesang haben Stare nicht: Sie imitieren gern die Klänge und Geräusche ihrer Umgebung.

Stare, Spatzen und Tauben im Party-Kiez

In ganz Berlin gibt es – nach unterschiedlichen Schätzungen – 20.000 bis 25.000 Exemplare. Die meisten von ihnen überwintern derzeit in Spanien, Portugal oder Nordafrika. Aber: Warme Winter in Zeiten des Klimawandels und die leichte Nahrungssuche sorgen dafür, dass immer mehr Stare lieber in Berlin bleiben. „Dieser Trend wird seit etwa zehn bis 20 Jahren bei verschiedenen Vogelarten beobachtet“, bestätigt Jens Scharon, Artenschutz-Referent des Naturschutzbunds Nabu.

Ein zweiter Standort, den die Stare für sich entdeckt haben, ist der Friedrichshainer Party-Kiez. Zwischen RAW-Gelände und Bahnhof Warschauer Straße hüpfen die Vögel von Imbiss-Stand zu Imbiss-Stand. An der Ecke zur Marchlewskistraße hat ihnen jemand einen halben grünen Apfel auf den Gehweg gelegt: Stare, aber auch Spatzen und Tauben, streiten sich lautstark um die vitaminreiche Beute.

Lieblingsplatz auf Lautsprechern

Beim Nabu heißt es: „In Berlin stellen die Stare immer wieder ihr Anpassungstalent unter Beweis.“ Sie nutzen Nistkästen in Parks, Grünanlagen und auf Friedhöfen. Sie brüten in Hohlräumen unter Hausdächern, auf Straßenlaternen und in undichten Fassaden. Auch Löcher, die Buntspechte geschaffen haben, nehmen Stare gern für sich in Beschlag.

Im Bahnhof Alex haben sich die Vögel ebenfalls einen Lieblingsplatz gesucht. Oft sieht man sie auf den Lautsprechern sitzen – als würden sie dort die Abfahrtszeiten durchgeben.