Als sich Alexandra von Rehlingen entschied, mit einer Freundin eine PR-Firma zu gründen, hatte sie keine Ahnung. Das war im Sommer 1986. Und sie verließ sich darauf, dass ihre Freundin Andrea Schoeller schon weiß, was sie da tut. Alexandra von Rehlingen hatte im Gegensatz zu ihr nicht Kommunikationswissenschaften studiert, was für dieses Geschäft ganz hilfreich gewesen wäre, sondern Sinologie. „Ich wollte eigentlich in den ostasiatischen Kunsthandel einsteigen.“

Start mit Königin Silvia

Inzwischen gibt es die Firma Schoeller & von Rehlingen PR seit 26 Jahren, sie hat Niederlassungen in München, Hamburg und Berlin und organisiert gesellschaftliche Großereignisse wie zuletzt den Rosenball und den Deutschen Gründerpreis und wie im kommenden Herbst den Dreamball und den Prix Montblanc. An den anderen Standorten der Firma, das erzählt die PR-Frau bei einem leichten Essen und einer Rhabarbersaftschorle im Soho House, konzentriert sich Schoeller & von Rehlingen PR mehr auf Pressearbeit, in Berlin werden schwerpunktmäßig Veranstaltungen organisiert. Alexandra von Rehlingen: „Berlin ist für uns Event-Hauptstadt.“ Ihr hiesiger Start war im Jahr 2000 die Mentor-Gala mit Königin Silvia von Schweden im Museum für Kommunikation.

Der Erfolg solcher Ereignisse hängt nach von Rehlingens fester Überzeugung von der Gästeliste ab. „Es muss eine gute Mischung sein. Nur Rechtsanwälte, nur Ärzte, nur Schauspieler sind langweilig. Man muss beruflich mischen und nach Alter.“ Was viele unterschätzen: Man sollte unbedingt auch überbuchen. Wer Platz für 500 Gäste hat und sich darauf verlässt, dass der Saal nach 500 Zusagen gut gefüllt sein wird, darf sich auf eine böse Überraschung gefasst machen.

„In Berlin muss man am meisten überbuchen.“ Mit bis zu 50 Prozent Gästen: „Gerade das Modevolk während der Fashion Week hat drei Veranstaltungen am Abend. Manche kommen früh, andere spät.“ Andere Städte, andere Sitten: „In Hamburg muss weniger überbucht werden. Da kommen die Leute superpünktlich und zuverlässig. Sie fragen nie nach dem Dresscode, sondern wissen es immer.“ Ein interessantes Phänomen: „In Berlin fragen immer alle nach dem Dresscode. Und kommen dann trotzdem völlig anders.“

„Isa von Hardenberg ist meine Schülerin“

Weil sie mit ihrer Firma im Luxusgüter-, Fashion- und Lifestylebereich unterwegs ist, hat Alexandra von Rehlingen ein Problem anderer Eventfirmen gerade nicht ganz so drastisch. Mancher Politiker überlegt sich nach den Erfahrungen, die Ex-Bundespräsident Christian Wulff gemacht hat, intensiver, bei welchen Veranstaltungen man sich blicken lassen kann, ohne dass einem später daraus ein Vorwurf gemacht wird. „Ich glaube, dass die Leute noch eine Weile genau hinschauen, welche Einladungen sie akzeptieren, wo sie sich zeigen können, ohne dass das unangenehm auffällt. Das wird die Eventlandschaft verändern.“

Lustig findet es von Rehlingen, wenn ihr und der Berliner Event-Organisatorin Isa von Hardenberg eine harte Konkurrenz angedichtet wird. Möglichst noch mit dem Unterton: Da kommt die Hamburgerin und versucht der etablierten Berlinerin das Geschäft abspenstig zu machen. Die Überraschung: „Isa von Hardenberg ist meine Schülerin.“ Man kennt sich ewig. Ende der Neunzigerjahre kam die Berliner Gräfin zur Freundin nach Hamburg und ließ sich einen Tag lang erklären, wie man eine Relocation-Agentur aufzieht. Alexandra von Rehlingen: „Wir sehen uns nicht als Konkurrenten, weil wir wirklich sehr Unterschiedliches machen. Isa veranstaltet Events oft um des Events willen und wir immer als Tool für die Pressearbeit.“ Außerdem gebe es doch sowieso genug zu tun für alle: „Der Kuchen hier in Berlin ist so riesig. Hier haben viele Agenturen einen Grund, morgens aufzustehen und an den Schreibtisch zu gehen.“

Alle gehen nach Berlin

In Hamburg sind die privaten Einladungen von Alexandra von Rehlingen längst Legende. Sie versammelt bis zu 24 besonders interessante Menschen („Mehr passen nicht an den Tisch“) zu einem Thema bei sich zu Hause. „Es wird immer schwieriger, denn es gibt nicht mehr so viele kreative, interessante Leute in Hamburg. Die tollsten, die wir in unserer Stadt hatten, sind inzwischen alle – wie der Sänger Marius Müller-Westernhagen – nach Berlin gezogen.“ Auch deshalb würde sie diese Abende künftig gern in Berlin veranstalten. Dafür sucht die Unternehmerin seit anderthalb Jahren ein passendes Loft, in dem sich auch das Berliner Büro der Agentur unterbringen ließe. „Es ist inzwischen alles wahnsinnig teuer.“

Was auch an der internationalen Konkurrenz auf dem hiesigen Immobilienmarkt liegt: „Hier suchen Skandinavier, Griechen, Engländer und Italiener. Es ist total verrückt geworden.“ Für sie kommt nur ein Bezirk in Frage: „Für mich ist Mitte Berlin. Der Rest ist zwar auch schön, aber viele Gegenden sehen so aus, dass ich auch gleich in Hamburg-Harvestehude bleiben könnte.“

Ihre eigene Familie hält von Rehlingen aus den Medien raus

Alexandra von Rehlingen ist mit dem Medienanwalt Matthias Prinz verheiratet, der Rechtsgeschichte schrieb, als er für Caroline von Hannover bis vor den Europäischen Gerichtshof zog und mit den dabei erstrittenen sogenannten Caroline-Urteilen die Position vieler Prominenter gegenüber den Boulevardmedien entscheidend verbesserte. Die können nun viel wirksamer ihre Privatsphäre verteidigen. Ihre eigene Familie hält Alexandra von Rehlingen aus den Medien raus, sie hat in dieser Sache zu Hause schließlich den besten Berater. Fast nie spricht sie über ihre vier Kinder, von denen zwei schon aus dem Haus sind und studieren, eines auf einem Internat lernt und eine 15-jährige Tochter noch zu Hause lebt und Abitur macht. Die absolvierte neulich ein Schülerpraktikum in der Berliner Niederlassung von Mamas Firma.

Was nicht etwa bedeutete, dass sie besonders gehätschelt wurde. Im Gegenteil. Mamas Ansprüche waren deutlich formuliert: „Ich habe ihr gesagt, du musst fleißiger, hilfsbereiter und pünktlicher als alle anderen sein, sonst ist es peinlich. Und das hat sie Gott sei Dank auch berücksichtigt.“