Der Streit um ein angeblich frauenfeindliches Gedicht des Schweizer Lyrikers Eugen Gomringer bleibt vorerst in der Schwebe. Die Alice-Salomon-Hochschule Berlin, an deren Fassade das Gedicht angebracht ist, hat die Vorschlagsfrist zur Neugestaltung der Außenwand bis Ende Oktober verlängert. Man wolle auch den Erstsemestern die Möglichkeit geben, sich in die Debatte einzubringen, sagte eine Sprecherin am Freitag.

Angehörige der Hochschule hatten moniert, das auf Spanisch verfasste Gedicht „avenidas“ könne Frauen gegenüber als diskriminierend aufgefasst werden. Sie beziehen sich dabei auf den Satz: „Alleen und Blumen und Frauen und ein Bewunderer“. 

Vorschläge für Fassaden-Neugestaltung gesucht

Daraufhin hatte die Hochschulleitung ein partizipatives Verfahren für eine mögliche Neugestaltung der Fassade ausgeschrieben. Der Fall erregte international Aufsehen. Die Schriftstellervereinigung Deutsches PEN-Zentrum warnte vor Zensur.

Nach der zweiwöchigen Fristverlängerung können nun bis 31. Oktober Vorschläge für den künftigen Umgang mit dem Text eingebracht werden. Im November ist dann eine Online-Abstimmung unter allen Hochschulangehörigen geplant, wie die Sprecherin sagte.

Danach soll der Akademische Senat, ein Gremium aus Lehrenden, Studierenden und Verwaltung, abschließend zwischen drei Vorschlägen entscheiden. Die Umsetzung werde im Zuge der notwendigen Fassadensanierung voraussichtlich 2018 erfolgen, so die Hochschule. (dpa)