Wenn man mit der U5 Richtung Hönow fährt, wird die Bahn immer leerer, je näher man dem Stadtrand kommt. Die Station Hellersdorf ist der vorvorletzte Halt auf der Strecke. Der U-Bahnhof liegt über der Erde, in einem Imbiss verkaufen zwei Männer Döner und Börek, orientalische Musik läuft, und wenn man auf der Treppe nach oben gegangen ist, steht man auf einer Riesenkreuzung. Hier befindet sich die Alice-Salomon-Hochschule. Der Platz davor ist am Morgen menschenleer.

Die Hochschule bildet Sozialarbeiter aus, Kindheitspädagogen, Pflegemanager, Physiotherapeuten, lauter wichtige Berufe, in denen oft Frauen arbeiten. Seit ein paar Jahren vergibt sie einen Poetik-Preis, einer der Ausgezeichneten ist der aus Bolivien stammende und in der Schweiz lebende Dichter Eugen Gomringer, Begründer der Konkreten Poesie, Schullektüre. Er ist 92 Jahre alt. Sein Gedicht „avenidas“ steht an der weiß verputzten Südfassade der Hochschule, riesig. Er hat es aus Dankbarkeit der Hochschule überlassen. Die damalige Rektorin entschied, es auf der Südfassade zur Geltung zu bringen. Fünf Jahre störte sich niemand daran. Jetzt soll es möglicherweise weg.

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