Alison Moyet ist wieder da! Genau genommen ist es eigentlich nur noch die Hälfte von ihr. Denn die einst recht pfundige Britin, die mit ihrer außergewöhnlichen Soulstimme in den Achtzigern Hits von Yazoo („Don’t Go“) veredelte und auch als Solistin riesige Erfolge feierte, hat ihre Körperfülle in den letzten Jahren halbiert. Doch „schlank zu sein bedeutet nicht automatisch, glücklicher zu sein oder etwas gewonnen zu haben“, sagt die 52-Jährige. Ihre Gründe für die XXL-Abspeckkur waren andere: „Ich bin ein absoluter Privatmensch. Die Vorstellung, irgendwann aufgrund des Gewichts unmobil und abhängig von anderen Menschen zu sein, war mir ein Grauen“, so die verheiratete Mutter dreier Kinder.

Wenn Leute ihr heute anerkennende Blicke zuwerfen, kann sie sich kaum darüber freuen. „Ich kann das nicht ernst nehmen. In meinem Kopf bin ich immer noch ein Fettie. Früher fragten mich Journalisten: ‚Ist es ihnen nicht peinlich, so auf die Bühne zu gehen?‘ Ich tat es trotzdem. Ich brauche keine Anerkennung für mein Äußeres, weil das nie Teil meiner Identität war.“ Am 16. September tritt Alison Moyet im schönen Heimathafen Neukölln auf. Dann wird sie Solo-Hits wie „Invisible“, „All Cried Out“, den einen oder anderen Yazoo-Klassiker und Stücke ihres neuen Albums „The Minutes“ zum Besten geben.

Rückkehr zu den Elektrobeats

Ihr erstes Studiowerk seit sechs Jahren, das sie zusammen mit Guy Sigsworth (Björk, Madonna) kreiert hat, ist eine Rückkehr zu den Elektrobeats und dem melodischen Synthiepop ihrer Anfänge. Sie selbst nennt es Progpop. „Nur weil ich in meinen Fünfzigern bin, heißt das nicht automatisch, dass ich softe Erwachsenenmusik machen muss“, lacht sie. „Meine Generation wuchs mit der interessantesten Palette von Stilen überhaupt auf. Dieses Bewusstsein verschwindet nicht.“

Und doch ist etwas anders, wenn sie nun auf die Bühne zurückkehrt: Moyet trägt Pumps. „Das hätte ich in den Achtzigern nie gemacht, und es lässt mich heute besser fühlen. Andererseits denke ich, dass man als Dicker eine gewisse Präsenz hat. Man ist bemerkenswert, beeindruckend, man sticht einfach heraus – das habe ich immer gespürt. Diese Präsenz vermisse ich ein wenig.“

Alison Moyet, Montag, 16. 9., 21 Uhr, Heimathafen Neukölln, Karl-Marx-Str. 141, Tickets: 42 Euro