Alle lieben Poké in Berlin - Hipster entdecken Hawaiis Lieblingsessen

Zum Glück leben wir in einer Großstadt, so dass uns die Trends als erstes erreichen. Der neueste heißt Poké – gesprochen „Poh-ke“. Ich bin nicht immer mit an Bord bei allem, was aus den USA zu uns rüberschwappt; Bubble Tea, Cold Brew Coffee oder Cookie Dough habe ich dankend ausgelassen. Poké aber sollte man auf keinen Fall verpassen.

Falls Sie noch nicht wissen, was das ist: Poké ist das hawaiianische Wort für „in kleine Stücke“ geschnitten. Gemeint ist damit roher Fisch, der gewürfelt und mit Soja oder anderen Soßen gewürzt, allein oder in einer Schüssel mit warmem Sushi-Reis gegessen wird.

Hawaiis Lieblingsessen ist spätestens seit vergangenem Jahr auch das von Hipstern. In jeder größeren amerikanischen Stadt befindet sich mindestens ein Poké-Restaurant. Und jetzt hat auch Berlin endlich eines. Es heißt Ma’loa und liegt wenige Gehminuten vom Hackeschen Markt entfernt.

Zur Mittagszeit ist der winzige Laden voll, trotzdem wirkt das helle Interieur aus Holz und Grünpflanzen entspannend. Auf zwei Surfboards an den Wänden sind die Speisen angeschrieben, die man selbst am Tresen bestellen muss.

Lachs, Gelbflossenthunfisch, Shrimps oder Tofu

Poké wird in „Bowls“, Schüsseln, angerichtet und serviert, und zwar nach dem Baukastenprinzip. Lachs, Gelbflossenthunfisch, Shrimps oder Tofu liegen gewürfelt in der Auslage, dazu gibt es eine große Auswahl an „Mix-Ins“ wie Rote Bete, allerlei Bohnen, Ananas oder Zuckerschoten. Dazukommen noch Toppings wie Avocado, Guacamole und verschiedene Nüsse. Die Schüsseln werden direkt vor den Gästen zubereitet.

Ich wähle eine der vom Ma’loa vorgeschlagenen Kombinationen: die Lãna’l Bowl, der Klassiker. Ich habe gelesen, dass beim Hawaii-Poké vor allem Ahi Tuna – Gelbflossenthunfisch –, Sojasoße und Sushi-Reis verwendet werden.

Dazu bestelle ich einen „100 Prozent Bio, 100 Prozent Geschmack-Smoothie“, der in einem Laden wie diesem zum Selbstverständnis gehört. Er trägt den lustigen Namen „Kale Moss“ und besteht aus Kiwi, Ananas, Grünkohl, Banane, Datteln, Weizengras und Minze – klingt nach einer tollen Kombination, finde ich. Doch ich werde enttäuscht. Der Smoothie wird hier als Fertigprodukt eingekauft. Die gefrorenen Zutaten sind eingeschweißt in einen Plastikbecher, sie werden aufgetaut und mit etwas Wasser „frisch“ gemixt. So schmeckt es dann auch: tot mit null Aroma.

Jetzt fällt mir auch das Poster an der Wand auf: Das Ma’loa sucht Franchise-Partner. Ist dies hier also nur ein weiteres Fast-Food-Restaurant, zwar mit gesundem Konzept, aber ohne Anspruch?

Unglaublich frisch, gesund und absolut einzigartig

Glücklicherweise liege ich falsch, denn mein Lãna’l Bowl schmeckt unglaublich frisch, gesund und absolut einzigartig. Am ehesten kann ich es als dekonstruiertes Sushi beschreiben – allerdings ohne die Schärfe von Wasabi und Ingwer.

Dafür gibt es jede Menge meist weiche, ziemlich naturbelassene vegetabile Elemente: gekochte, süßliche Bete-Würfel, nussige Edamamebohnen und rohe Gurkenstückchen, dazu frischen Koriander. Alles harmoniert sehr gut miteinander, dazu passt der „Crazy Lime Flavor“. Das ist die Soße aus Limetten und Soja, die den sehr guten rohen Thunfisch und den warmen Sushi-Reis an der Basis durchzieht, dabei aber keine allzu sauren Spitzen hat, sodass die Aromen aller Elemente zu schmecken sind. Obenauf sind Erdnüsse und Avocado angerichtet; ihr Fettgehalt gibt dem Ganzen Substanz.

Ich werde wiederkommen. Im Staat Aloha, habe ich gelesen, gibt es in den Supermärkten Theken voller Poké-Kombinationen: würziger Knoblauchlachs, Tofu mit Sojasoße, Kimchi, Oktopus. Ich will unbedingt mehr davon probieren, das neue Trendgericht mit jahrhundertalter Tradition hat das Potenzial, süchtig zu machen.

Ma’loa Hawaiian Poké Bowl, Oranienburger Straße 7, Mitte, Mo–Fr 11–21.45 Uhr, Sa 12–21.45 Uhr, Sonntag 13–21 Uhr