Linumhorst - Linumhorst Der Himmel an diesem Montagmorgen ist grau. Auch in Linumhorst, einem Ortsteil von Kremmen (Oberhavel). An der Straße, die dorthin führt, liegen die Felder still im Frühnebel. Alte knorrige Ahornbäume und Eschen säumen den schmalen asphaltierten Fahrweg. Das Blätterdach, das den Blick zum Himmel abfängt, ist schon an einigen Stellen durchlässig geworden. Ein Schild am Wegesrand macht darauf aufmerksam, dass man nicht über irgendeine Straße rollt. So also sieht sie aus, Deutschlands „Allee des Jahres 2011“. Vor wenigen Tagen erst hat der Bund für Umwelt und Naturschutz (BUND) den Titel für die schönste Allee nach Brandenburg verliehen.

Es war ein Foto des Fotografen Klaus Michalek vom Bürgerverein in Linumhorst, das die Jury des BUND davon überzeugte, die fünf Kilometer lange Straße zum Sieger eines alljährlich stattfindenden Fotowettbewerbs um die schönste Allee Deutschlands zu küren. Doch nicht nur das brachte den Erfolg: Gesucht wurden Alleen mit besonderer Geschichte und großem Artenreichtum, Straßen von besonderer Schönheit und bedrohte Alleen.

Michaleks Bild zeigt einen einsamen Radfahrer inmitten des grünen Tunnels, den das Blätterdach bildet. „Wir hatten 250 Bewerbungen für den Titel. Die Wahl fiel nicht leicht“, erzählt BUND-Naturschutzreferent Axel Heinzel-Berndt. Die Schönheit der Linumhorster Allee habe die Juroren beeindruckt. „Gewürdigt haben wir aber auch das Engagement des Vereins, der sich um die akut gefährdete Allee kümmert“, sagt Heinzel-Berndt. Denn dort sollen Bäume gefällt werden. Platz zwei belegte eine Lindenallee im Unteren Bayerischen Wald.

15 Bäume müssen weg

Selten rollt ein Auto über die Allee, die in Linumhorst zur Sackgasse wird. Die Verkehrsstille macht die Schreie der vielen tausend Kraniche, die derzeit im Rhinluch rasten, umso erlebbarer. Der Wind pfeift durch die Bäume. Es sind etwa 1500 Eschen und Ahornbäume, die hier noch am Straßenrand stehen, die im Sommer ein Laubdach bilden und Schatten spenden und die der BUND als besonders wertvoll eingestuft hat. Fast 100 Jahre alt sind sie.

„Es waren einmal 2.000 Bäume“, erzählt Gudrun Grimm. Die Lehrerin ist Vorsitzende des Bürgervereins Linumhorst, der vor acht Jahren die Patenschaft für die Allee übernommen hat und sich seitdem um den Erhalt der Bäume kümmert. 25 Mitglieder zählt der Verein, was erstaunlich ist. Wohnen doch noch nicht einmal 40 Menschen in dem Ort. Gudrun Grimm war es, die das Foto eingereicht und dabei die Bedrohung des Baumbestands erwähnt hat. „Klar bewirbt man sich, um zu gewinnen. Aber dann waren wir doch überrascht“, sagt sie.

1926 wurde die Verkehrsader gebaut, die von der Neuruppiner Straße nach Linumhorst führt und heute einziger Zufahrtsweg in den Ort ist. „Die Allee ist charakteristisch für das Landschaftsbild“, sagt Gudrun Grimm. Sie sehe nicht nur schön aus, sie sei auch Lebensraum für zahlreiche Tiere und diene nicht zuletzt auch als Windschutz. „Es ist daher ärgerlich, dass die Stadt Kremmen die Straße in ihrem Alleenkonzept nur als Holzspender sieht“, sagt sie. Es habe sich herumgesprochen, dass zahlreiche Bäume abgeholzt werden sollen, weil sie alt oder aber von Pilz befallen sind.

Kremmens Ordnungsamtsleiter Wolfgang Mäding, der am Montag nicht zu sprechen war, hatte vorige Woche in einer Lokalzeitung erklärt, 15 Bäume müssten aus Sicherheitsgründen gefällt werden. Bei 160 weiteren Bäumen stünde die Entscheidung noch aus. Seine Vertreterin Doris Bernthäusl bestätigt lediglich, dass viele Bäume an der Allee sehr krank seien. „Die müssen aber nicht alle unbedingt gefällt werden“, erklärt sie.

Gudrun Grimm und ihre Mitstreiter wollen genau hinsehen, wie mit kranken Bäumen umgegangen wird. „Die Allee lag bisher so abseits, dass es nicht aufgefallen wäre, wenn da ein paar Bäume abgeholzt werden“, sagt sie. Mit dem Titel „Allee des Jahres“ stehe die Straße nun aber im Fokus der Öffentlichkeit. „Es wäre schön, wenn unsere Allee nun schrittweise saniert werden kann“, sagt die Vereinschefin. Zudem wünscht sie sich für die enge Straße ein Tempolimit von 70 Kilometer pro Stunde, wie es gerade diskutiert wird.