Berlin - Die böse Überraschung erreichte die Planer im Sommer. Die Re:publica wollte ihre erste Auslandskonferenz gemeinsam mit einem irischen Partner in Dublin organisieren, doch die Organisatoren des etablierten irischen Film- und Technologiefestivals Digital Biscuit wollten auf einmal nicht mehr.

Die Macher in Berlin um Geschäftsführer Andreas Gebhard hatten also zwei Möglichkeiten: Aufgeben oder alles selbst machen. Sie entschieden sich für die zweite Lösung, am kommenden Donnerstag wird in Dublin die „Re:publica IRL“ wie geplant eröffnet.

Schon bevor die Gesellschaftskonferenz im Frühjahr ihr zehnjähriges Jubiläum gefeiert hatte, war die Frage aufgekommen: Was könnte das nächste Level sein?

In Berlin waren auf dem Gelände der Station am Gleisdreieck im Mai an den drei Veranstaltungstagen 8 000 Besucher aus 60 Ländern dabei, die Konferenz war so gut besucht wie nie zuvor, die Themen der digitalen Gesellschaft erreichten viele Altersgruppen.

Deshalb die Frage nach Expansion. Außerdem herrscht ein internationaler Wettbewerb unter den Veranstaltern von Digitalkonferenzen. Wer sein Netzwerk global spannen kann, ist im Vorteil.

Klein anfangen

Ein Blick auf den Veranstaltungskalender in Dublin an diesem Wochenende verdeutlicht das. Da treffen sich in der irischen Hauptstadt aufstrebende Start-up-Unternehmen an drei Tagen, um Talente zu akquirieren.

Energie-Experten wollen bei einem Hackathon Lösungen fürs Energiesparen finden und bei One-Zero diskutieren Sportler wie der ehemalige Radprofi Lance Armstrong über die digitalen Auswirkungen auf Trainingssteuerung und Öffentlichkeitsarbeit.

Die Konkurrenz ist also groß. Die Re:publica will in Dublin eher klein anfangen. Geschäftsführer Gebhard vergleicht den Start in Irland mit dem Beginn der Digitalkonferenz in Berlin vor zehn Jahren.

Dublin ist ein Test

Damals trafen sich in der Kalkscheune ein paar digitale Pioniere, in Dublin werden rund 300 Gäste erwartet, die Resonanz im Netz ist vergleichsweise leise. Alles auf Anfang also.

Auf Dublin fiel die Wahl, weil die Stadt nicht weit weg ist von Berlin, dadurch blieben die Kosten überschaubar. Außerdem erzählte Gebhard damals im Mai: „Wir hatten uns so eine Klassenfahrt ins Ausland schon seit vielen Jahren vorgenommen, aber nicht zugetraut. Jetzt sind wir bereit für den Test.“

Die Klasse aus Berlin ist dann doch etwas größer geworden. Bei ungefähr 80 Leuten, die aus Deutschland anreisen werden, lässt sich eher von einer Stufenfahrt sprechen. An Bord sind die Gründer der Re:publica, vertraute Redner wie Thomas Knüwer und Wissenschaftler wie der Sicherheitsexperte Peter Neumann aus London.

Politik, Wirtschaft und Technologie, sagt Gebhard, sind die Schwerpunkte an dem Tag. 20 Vorträge wird es geben, dazu gehören Überlegungen, ob die Netzgemeinde Twitter kaufen soll und ob Deutschland wirklich ein innovativer Tech-Standort ist.

Re:publica im Pub

Auch die Fragen, wie das mit den Steuerzahlungen von Global-Playern wie Google und Apple in Irland ist und die Folgen des Brexit sollen diskutiert werden.

Michael Collins, der irische Botschafter in Berlin wünscht sich einen „starken Austausch von Fachkräften, Geschäften und Ideen zwischen den zwei Städten. Die re:publica Konferenz bietet eine großartige Chance, diese Verknüpfungen zu fördern und weiter zu entwickeln.“

In Irland entsteht Zusammenarbeit traditionell am besten an den Theke. Ein Pub gehört zu den Veranstaltungsorten, denn anders als in Berlin, wo sich Redner und Teilnehmer nur auf dem Gelände der Station treffen, hat das Organisationsteam in der Innenstadt von Dublin drei Locations gefunden, das historische Pub Merchant’s Arch gehört dazu. Gebhard spricht ingesamt von einem Experiment. Bei einem Guinness soll dann Bilanz gezogen werden.