Berlin - Auf den ersten Blick ist alles wie immer. Der Veranstaltungskalender des Postbahnhofs am Ostbahnhof in Friedrichshain ist gut gefüllt. Der Vorverkauf beispielsweise für das Konzert des Reggae-, Soul- und HipHop-Künsters Patrice am 15. November laufe gut, heißt es.

Für den 3. Dezember wird ein Highlight mit Kreischfaktor erwartet: An diesem Abend macht die in die Jahre gekommenen Ex-Boygroup Caught In The Act bei ihrer Comeback-Tournee im Postbahnhof Station. Doch trotz aller Routine ist in dem altehrwürdigen Backsteinbau vieles anders geworden.

Zwangsräumung des bisherigen Betreibers

Der bisherige Betreiber, der über zehn Jahre das Programm bestimmte, ist nicht mehr da. Nach jahrelangem Rechtsstreit und Gerichtsverhandlungen hat der Eigentümer ihn vor wenigen Tagen zwangsräumen lassen.

„Wir mussten etwas tun, weil die Betreiber respektlos mit dem denkmalgeschützten Gebäude umgegangen sind“, sagt Uwe Fabich, der Mehrheitseigner der Gesellschafter Pakober GmbH, der das Ensemble gehört.

Was Fabich nur indirekt sagt: Viele Events im Postbahnhof, etwa Messen, Abibälle oder Privatpartys, gefallen ihm nicht. Er möchte, dass der Postbahnhof „wieder sexy wird“.

Ein internationales Musikzentrum soll entstehen

Fabich ist ein Ex-Banker, dem auch das Funkhaus an der Nalepastraße in Oberschöneweide gehört. Das ebenso denkmalgeschützte Ensemble am Spreeufer lässt er zum internationalen Musikzentrum umbauen – was auch dort nicht konfliktfrei abläuft. Altmieter beklagen „radikales Aufräumen“.

Im Streit um den Postbahnhof ging es um illegale Untervermietung und um nicht weiter gereichte Einnahmen, vor allem aber um vernachlässigte Instandhaltung. Dazu hätten sich die Betreiber im Jahr 2004 verpflichtet, als sie das Gebäudedenkmal von der Post mieteten, zu günstigen Konditionen.

Fabich: „Die Miete betrug ganze 3,50 Euro pro Quadratmeter, für die vereinbarte Instandhaltung wurde aber nichts getan.“ Vor zwei Jahren hätten die Betreiber zudem versucht, das Geschäft im damaligen Fritz-Club zu verkaufen, obwohl damals bereits bekannt gewesen sei, dass der rbb mit seiner Welle Fritz-Radio die Zusammenarbeit nicht verlängere.

Vom Bahnhofspostamt zur Veranstaltungslocation

Die Ex-Betreiber teilten auf Anfrage mit, sie hielten die Vorwürfe Fabichs für ungerechtfertigt. Neben dem Postbahnhof, erbaut 1907, gab es bis zum 2. Weltkrieg noch ein Bahnhofspostamt. Das wurde im Krieg stark zerstört und später durch einen Zweckbau ersetzt, der längst abgerissen wurde.

Der Postbahnhof selbst war nahezu unbeschädigt und wurde noch viele Jahre als solcher genutzt. Die beiden insgesamt rund 3000 Quadratmeter großen Verladehallen sind heute Veranstaltungsräume und Club.

Umfangreiche Sanierungen

Was aus dem Gebäude auf lange Sicht werden soll, stehe noch nicht fest, sagt Fabich. Es werde „erstmal Veranstaltungsort bleiben“, Gespräche mit potenziellen Betreibern liefen. „Wir versuchen, die meisten gebuchten Events durchzuführen und Mitarbeiter der alten Postbahnhofsbetreiber zu übernehmen.“

Zunächst aber würden die Elektroleitungen betriebstauglich gemacht und von Anfang 2017 an die maroden Sanitäreinrichtungen renoviert.