Zukunftsvision: So stellt sich das Alliiertenmuseum seine Präsenz im Hangar 7 des Flughafen Tempelhof vor.
Grafik: Alliiertenmuseum/Pralle Sonne

Berlin-TempelhofEin Panzer, ein Jeep und mittendrin ein ehemaliger Rosinenbomber – mit spektakulären Großobjekten unter einem Dach will sich das Alliiertenmuseum nach seinem Umzug von Dahlem zum Flughafen Tempelhof präsentieren. Und damit zu einem „Museum als Lernort der Demokratie“ avancieren. Das geht aus dem Konzept des Museums hervor, das der Berliner Zeitung vorliegt.

Der Direktor des Alliiertenmuseums, Jürgen Lillteicher, will die Pläne an diesem Mittwoch im Kulturausschuss des Bundestags präsentieren. Sein Ziel ist, um Unterstützung für den Umzug zu werben. Denn der Bundestags-Haushaltsausschuss hat zwar im November 2015 rund 27 Millionen Euro für den Umzug des Museums nach Tempelhof zugesagt, allerdings sind im nächsten Bundeshaushalt keine Mittel eingestellt. Hintergrund: Inzwischen ist klar, dass der Umzug teurer wird.

Denn die ermittelten Kosten beruhten auf einer Kalkulation aus dem Jahr 2013. Wie teuer der Umzug wird, ist unklar. Es werde noch gerechnet, sagt Museumsdirektor Lillteicher. Mittlerweile werden jedoch auch Berechnungen angestellt, welche Kosten bei einem Verbleib des Museums an der Clayallee anfallen. Folge: Es ist völlig offen, wie es weitergeht.

Der wissenschaftliche Beirat warnt

Der wissenschaftliche Beirat des Museums, in dem Wissenschaftler aus den USA, Großbritannien, Frankreich und Deutschland vertreten sind, zeigt sich alarmiert. „Der Beirat nimmt mit allergrößter Besorgnis zur Kenntnis, dass keine Entscheidung über die Unterbringung des Alliiertenmuseums in Tempelhof getroffen wurde, obwohl alle erforderlichen Planungsunterlagen vorliegen“, heißt es in einer Erklärung des Gremiums.

Dabei sei die Botschaft des Museums – die Bedeutung internationaler Kooperationen und Bündnissysteme für den Erhalt von Freiheit, Frieden und Demokratie – aktueller denn je und verdiene einen Platz im Herzen der deutschen Hauptstadt. „Hier hat die Bundesregierung die einzigartige Gelegenheit, die Geschichte der Deutschen und der Alliierten bei der Etablierung und Festigung der bundesdeutschen Demokratie heutigen und zukünftiger Generationen zu präsentieren“, stellen die Wissenschaftler fest.

Das Museum soll an das Engagement der Westmächte erinnern

Das Alliiertenmuseum soll nach bisherigen Plänen in den Hangar 7 in Tempelhof einziehen. Auf einer Fläche von rund 7 000 Quadratmetern sollen außer dem berühmten Rosinenbomber, der an die Luftbrücke während der Blockade West-Berlins erinnert, unter anderem ein Hubschrauber und die Reste eines Spionagetunnels präsentiert werden.

Die Zeit des Kalten Kriegs und der Blockkonfrontation steht zwar im Mittelpunkt des Museums, doch geht es um mehr. „Die Befreiung Deutschlands vom Nationalsozialismus und die Entwicklung West-Berlins und Westdeutschlands hin zu Demokratie und Wohlstand wären undenkbar ohne das Engagement der Westmächte“, heißt es im Konzept für das Museum.

Das 1998 eingeweihte Alliiertenmuseum erinnert an die Präsenz der Westmächte USA, Großbritannien und Frankreich in Berlin. Sein aktueller Sitz ist das ehemalige US-Kino Outpost an der Clayallee. In Dahlem kommen jährlich rund 70.000 Besucher in das Museum. In Tempelhof versprechen sich die Museumsmacher eine Steigerung auf bis zu 360.000 Besucher jährlich.

Der Umzug nach Tempelhof als Zeichen

„Wir haben uns seit Jahren auf die Zusage verlassen, dass das Alliiertenmuseum von Dahlem nach Tempelhof umzieht“, sagt Museumsdirektor Lillteicher. „Unsere gesamte Planung ist darauf ausgerichtet.“ Am Standort Clayallee – am Zehlendorfer Waldrand – habe das Museum keine Zukunft mehr, sagt Lillteicher. „Wir bauen auf die Parlamentarier und hoffen sehr, dass sie die Mittel für den Umzug im nächsten Bundeshaushalt bereitstellen.“ In Zeiten von neuem Nationalismus würde damit ein Zeichen für die Bedeutung internationaler Zusammenarbeit und Bündnissysteme gesetzt, denn gemeinsame Geschichte verbinde.

Im neuen Alliiertenmuseum in Tempelhof soll neben den Großobjekten ein Kindermuseum und eine Besuchermediathek zum spielerischen Entdecken und Erforschen der Geschichte einladen. Gemeinsam mit der vom Deutschen Technikmuseum geplanten Flugzeugschau im Nachbarhangar entstehe „ein einzigartiges Ausstellungskonglomerat zur Zeit- und Technikgeschichte“, heißt es in dem Konzept.

Der Tower soll 2021 eröffnet werden

Das Alliiertenmuseum soll der wichtigste neue Nutzer im stillgelegten Flughafen Tempelhof werden. Die Vergangenheit des Airports, der einst sowohl der Rüstungsproduktion als auch der Beschäftigung von Zwangsarbeitern diente, spielt dabei eine besondere Rolle. So soll auf dem Dach eine begehbare Geschichtsgalerie entstehen, die an diese Zeit erinnert. Eines der ersten Projekte, bei denen der Airport öffentlich zugänglich gemacht wird, ist die Sanierung des Towers und einer Dachterrasse. Sie sollen 2021 eröffnet werden.

Der wissenschaftliche Beirat des Alliiertenmuseums wirbt eindringlich für den Wechsel nach Tempelhof. Ein Verbleib in der Clayallee würde das Museum „zunehmender Irrelevanz und die einzigartige Sammlung des Museums dem Verfall preisgeben“, warnen die Experten. „Es wäre ein fatales Signal an die drei ehemaligen Westmächte.“