War mal schick: Armaturenbrett in Wagenfarbe lackiert.
Foto: Berliner Zeitung/Gerd Engelsmann

Berlin, LichtenbergAn alten Autos und Motorrädern schrauben, das sei für ihn wie Meditation, sagt Ulf Schulz. „Je älter, desto besser.“ Modernes Gefährt hält er für seelenlos und leidenschaftsfrei entworfen, betagtes indes für erhaltenswertes Kulturgut. Schulz mag Autos mit Kurbeln statt Fensterhebern, Vergasermotoren und Teleskop-Antenne zum Monoradio mit Mittelwelle.

Die Liebe zu Autos hat der auf der Ostseite der Bornholmer Brücke aufgewachsene 41-Jährige tatsächlich gelernt. Am Anfang stand eine Kfz-Mechaniker-Lehre „bei Ede Winter“. Danach war er Neuwagenverkäufer bei BMW, begann ein Fahrzeugtechnik-Studium an der TU, um dann einzusehen, dass die theoretische Betrachtung von Doppelquerlenkern und unbewegten Massen kaum sein Leben erfüllen wird. Er brach ab und studierte Marketing und Kommunikation.

Mag Dinge, die was zu erzählen haben: Ulf Schulz (41) mit seinem „Buckel-Volvo“ (59).
Foto: Berliner Zeitung/Gerd Engelsmann

Dennoch dreht sich heute für ihn fast alles ums Auto. Er besitzt über ein Dutzend alte Karossen und Motorräder. „Keine Reichtümer, vor allem Baustellen“, wie er sagt. Ein Heckflossen-Mercedes von 1960 ist dabei, auch eine BMW R35 von 1953. Sein liebster Wagen ist ein blauer Volvo PV 544, Baujahr 1960, die zweite Generation des sogenannten Buckel-Volvos. Er und „der Buckel“ seien dicke Freunde. „Ich mag Dinge, die was zu erzählen haben.“

Und die erzählt er auch gern weiter. Wenn Schulz nicht an seinen Baustellen schraubt, baut er Wohnzimmerleuchten aus Autoteilen, ist bei einer Brandenburger Radiostation regelmäßig als Autoexperte auf Sendung und plant unterschiedlichste Events. Benzin ist immer im Spiel. Auch die noch bis zum Sonntag stattfindende Oldtimer-Messe Motorworld Classics am Funkturm hat er projektiert und dort eine Sonderschau zu Berlins Automobilgeschichte initiiert. „Anfang der Zwanzigerjahre war Berlin das Silicon Valley des Automobilbaus“, sagt Schulz. 200 Fahrzeugfirmen hatten sich seinerzeit in der Stadt angesiedelt. „Damals schaute die ganze Welt auf die Hauptstadt.“

Tatsächlich trieb Schulz einige automobile Raritäten auf. Das Deutsche Technikmuseum in Berlin unterstützte ihn. So wird zum Beispiel ein Wagen der Berliner Marke Ego ausgestellt, die dem legendären Rennfahrer Rudolf Caracciola im Jahr 1923 zu seinem ersten Sieg auf der Avus verhalf. Der gezeigte Ego 4/14 ist das einzig verbliebene Exemplar auf der Welt. Ähnlich selten sind der AGA Typ A 16/20 PS, der seinerzeit in Werkshallen an der Lichtenberger Herzbergstraße 82 in großen Stückzahlen gefertigt wurde, und das sogenannte D-Rad-Taxi.

Dieses Motorrad mit Beiwagen wurde in den Zwanzigern tatsächlich als Taxi eingesetzt und damals bei den Deutschen Industriewerken in Spandau produziert. Die Württembergia 350 Blackburne von 1929 ist eines von vielleicht noch 50 existierenden Motorrädern der Berliner Württembergia AG, die seinerzeit nahe dem Tiergarten vom Band rollten.

Für Schulz ist die Ausstellung eine einmalige Gelegenheit, sich über die Berliner Automobilgeschichte zu informieren. Derweil plant er bereits das nächste Projekt. In zwei Jahren wird die Avus 100 Jahre alt. „Es war die erste nur für Autos zugelassene Straße der Welt.“ Da gebe es viel zu erzählen.