Berlin - Nun funktioniert die Abschreckung: Bislang war das anders, bislang hing an der Stammkneipe immer ein weißer Zettel an der Tür, der den aktuellen Stand der Pandemie verkündete: mal 3G, nun 2G. Im Sommer hing da gar kein Zettel. Da saßen alle draußen und erfreuten sich am großen Schauspiel des Berliner Alltags auf den Gehwegen, am Gerenne der Leute, am Gelächter, am Großstadttrubel, der nach dem monatelangen Lockdown so erfrischend war.

Nun ist es wieder kalt, nun steht 2G auf dem Zettel an der Tür. Kontrolliert wurde das nicht immer 100-prozentig. Die Kellner wollten keine Polizisten sein und verteilten halt die Zettel für eine Meldeadresse.

Doch nun kochen die Debatten wieder hoch, einzelne Bundesländer machen alles mögliche dicht. Und die Strafen sind erheblich: So müssen Wirte bis zu 5000 Euro bei Verstößen zahlen. Am Wochenende war zu merken: In Berlin wird nun strenger kontrolliert.

Ein Freund, der nicht geimpft ist, sagte das Treffen dieses Mal lieber ab. Auch ein Test hätte ihm nichts genutzt. Also saßen wir beim Bier in der Kneipe und er allein zu Hause. Es wäre sonst wohl auch ein sehr teurer Abend geworden.

Kaum war das erste Bier geleert, stand das Ordnungsamt im Gastraum. Die beiden Kontrolleure waren freundlich, aber auch sehr kulant. Einerseits scannten sie jeden Impfnachweis, kontrollierten aber nicht, ob der Personalausweis dazu passt. Und als vier junge Männer sehr schnell vom Tisch aufsprangen und das Wirtshaus verließen, war es ihnen egal.

Ist wohl nicht als ernsthafte Kontrolle gedacht, sondern als abschreckende Maßnahme. Es soll sich herumsprechen, dass kontrolliert wird.

Als die beiden Kontrolleure weg waren, warteten die vier jungen Männer draußen noch eine Weile, bevor sie noch einmal zurückkamen. Spaß sieht anders aus.

Auf dem Zettel an der Tür soll bei unserem nächsten Treffen noch immer 2G stehen und nicht 2G plus. Verspricht der Senat. Mal sehen. Immerhin ist es noch eine Woche hin. Und eine Woche ist in diesen aufgeregten Zeiten sehr, sehr lang.