Altbau am Schiffbauerdamm: Senatsbaudirektorin will Verdi-Gebäude in Mitte retten

Mitte - Am Schiffbauerdamm in Mitte stehen nicht mehr viele Altbauten. Doch einer der letzten, das 1910 bis 1912 im neoklassizistischen Stil errichtete Gebäude am Schiffbauerdamm 19, ist weiter vom Abriss bedroht. Grund ist die geplante Verlängerung des sogenannten Band des Bundes über die Luisenstraße hinweg Richtung Bahnhof Friedrichstraße. Nach dem preisgekrönten städtebaulichen Entwurf der Architekten Kusus + Kusus von 2009 soll das Haus nicht erhalten werden.

Zwar hat das Land Berlin den Altbau, der im Besitz der Gewerkschaft Verdi ist, nicht unter Denkmalschutz gestellt, doch mehren sich nun die Stimmen, die sich für einen Erhalt aussprechen – sogar von höchster Stelle. Der Senat werde weiterhin den Erhalt und die Integration des Hauses „nachhaltig einfordern“, erklärt Senatsbaudirektorin Regula Lüscher in der Antwort auf eine Anfrage der Linken-Abgeordneten Katalin Gennburg. Die Integration des Altbaus in die neue Gebäudestruktur wäre denkbar, sei aber „aufgrund dessen innerer Struktur mit einem erheblichen Aufwand verbunden“, so Lüscher.

Bebauungsplan „Luisenblock Ost”

Der Bund verhandelt mit Verdi über den Erwerb des Grundstücks. Da sich die Gespräche lange hinziehen, wurde bereits geprüft, ob die Planung auch umzusetzen sei, ohne dass der Bund Eigentümer des Gewerkschaftshauses wird. Ergebnis: Es geht, doch wären damit „erhebliche funktionale Defizite“ verbunden, heißt es in der Antwort Lüschers. So sei eine „interne Verbindung“ dann kaum möglich. Aber rechtfertigt dies den Abbruch?

Im noch abzustimmenden Bebauungsplan für den sogenannten Luisenblock Ost, in dem das Gewerkschaftshaus liegt, wird das Schicksal des Hauses offen gehalten. Sowohl Abriss als auch Erhalt sind möglich. Auf die Frage der Berliner Zeitung, wie sich der Bund positioniert, antwortete die Bundesanstalt für Immobilienaufgaben mit dem Hinweis, dass der preisgekrönte Entwurf von 2009 nicht vorsehe, dass das Gebäude erhalten bleibe.

Ein Bau, der schon einigem standhielt

„Der Abriss dieses Hauses wäre ein Frevel“, kritisierte dagegen der renommierte Architekturkritiker und Stadtplaner Dieter Hoffmann-Axthelm schon vor Jahren. Schließlich sei das Haus am Schiffbauerdamm 19 „das letzte der klassischen Geschäftshäuser der Frühmoderne, die einst den Schiffbauerdamm prägten“. Einen besonderen Wert hat das Gebäude wegen seiner Eigentümergeschichte. So gehörte die Immobilie seit 1928 dem Gewerkschaftsbund der Angestellten, der Vorläuferorganisation der Deutschen Angestellten-Gewerkschaft.

Die Nazis enteigneten die Immobilie 1938 und überschrieben sie der Deutschen Arbeitsfront. Zu DDR-Zeiten ging das Haus zunächst in den Besitz des Freien Deutschen Gewerkschaftsbundes über, später wurde es zum Volkseigentum erklärt. 2002 wurden Haus und Grundstück rückübertragen. Seitdem ist die Immobilie im Besitz von Verdi. Die Linken-Abgeordnete Gennburg will die Immobilie ebenfalls retten. Sie fordert: „Das Gewerkschaftshaus sollte dringend erhalten werden.“