Pankow Immer mehr Areale in Berlin werden saniert, modernisiert, gentrifiziert. Doch es gibt sie noch: die versteckten Ecken, die den nostalgischen Charme der Vergangenheit ausstrahlen. Wir entdeckten in Französisch-Buchholz jetzt einen dieser Orte – eine verlassene ehemalige Autowerkstatt, in der noch heute die Schrauber-Träume der DDR parken.

Von außen sieht es recht unscheinbar aus, das verlassene Haus in der Schönerlinder Straße: Der Putz bröckelt, die Fenster sind weit geöffnet. Scheiben gibt es allerdings keine mehr. Vor der Eingangstür liegt Schutt. Es ist eines dieser verlorenen Gebäude, die es hier und da noch gibt. Im Garten des Hauses, versteckt hinter einem Zaun und umwachsen von Büschen und Bäumen, parken die Schrauber-Träume der DDR.

Hier stehen unter anderem mehrere Wagen der Marke Moskwitsch, an einem verblasst der blau-grüne Lack nur langsam. In einer der Werkstätten parkt ein AWZ P70 – hergestellt wurden diese Fahrzeuge beim VEB Automobilwerke Zwickau. Der P70 war damals der Vorläufer des Trabant P50, nach etwas mehr als 36.000 hergestellten Exemplaren wurde die Produktion beendet, der Trabant kam auf den Markt. Der Stolz von damals ist allerdings nicht mehr zu sehen: Der Wagen ist von einer Staubschicht bedeckt, Spinnen haben den Innenraum erobert.

Was ist geschehen? Welcher Kfz-Fan ließ die Autos zurück? Wer wohnte im Haus nebenan? Starb der Besitzer? Floh er zu DDR-Zeiten in den Westen? Auto-Experten, bei denen diese Zeitung nachfragte, wissen nichts von der früheren Werkstatt. Auch eine Umfrage unter Nachbarn blieb ergebnislos. Und auch der Betreiber eines Web-Blogs für verlassene Orte in Berlin und Brandenburg tappt im Dunkeln. „Ich konnte nicht herausfinden, was hier geschah“, schreibt er. Aber wer lauscht, könne das stille Leiden der alten, verlassenen Autos hören.

Wie viele der Wagen von damals noch auf den Straßen unterwegs sind, ist ebenfalls unklar. Sie werden in der Statistik des Kfz-Bundesamtes unter „Sonstige“ erfasst. Das einzige Modell, das noch häufiger vertreten ist, ist der gute alte Trabi: Etwas mehr als 30.000 Exemplare waren zuletzt registriert. Beim Moskwitsch dürfte es schlechter aussehen. Im von Fans initiierten Deutschen Register sind nur wenige hundert Wagen eingetragen – und nicht alle sind fahrtüchtig.