Noch vor rund 15 Jahren wurden in Marzahn elfgeschossige Plattenbauten zu drei- bis sechsgeschossigen Wohnhäusern zurückgebaut – jetzt plant der Senat die Aufstockung von Plattenbauten. Das teilte Stadtentwicklungssenatorin Katrin Lompscher (Linke) am Dienstag mit. Die Aufstockung der Plattenbauten ist Teil eines Maßnahmenpakets, dass der Senat am Dienstag beschlossen hat, um den Wohnungsneubau zu beschleunigen.

Lompscher sagte, die Landesregierung habe ein Pilotprojekt zur Aufstockung vereinbart. Partner soll die städtische Wohnungsbaugesellschaft Howoge sein. Sie besitzt besonders viele Wohnungen in Lichtenberg. Zur Zahl der möglichen Wohnungen auf den Plattenbauten, könne jetzt noch nichts gesagt werden, erklärte Lompscher. Sie sagte aber, allein die Howoge habe ein Flächenpotenzial von 320.000 Quadratmetern auf Flachdächern.

Für eine Aufstockung kommen laut Stadtentwicklungssenatorin fünf- bis sechsgeschossige Häuser infrage sowie zehn- und elfgeschossige Gebäude. Angestrebt werde von den Wohnungsunternehmen eine Aufstockung um zwei Geschosse. Zu beachten seien dabei neben der Statik Fragen des Brandschutzes und der Rettungswege. Lompscher distanzierte sich von den Abrissen von Plattenbauten in der Vergangenheit. „Ich habe nichts abgerissen, ich fand das auch nicht gut“, sagte sie.

Wohnungen auf den Dächern

Rund 5000 Plattenbauwohnungen waren unter der rot-roten Landesregierung in den zu DDR-Zeiten errichteten Hochhaussiedlungen abgetragen worden. Eines der Projekte waren die Ahrensfelder Terrassen an der Havemannstraße. Dort baute die landeseigene Wohnungsbaugesellschaft Degewo mehrere Elfgeschosser zu drei- bis sechsgeschossigen Häusern um – von ursprünglich 1689 Wohnungen blieben 409 übrig. Diese Bauten sollen nun jedoch nicht wieder aufgestockt werden.

In Berlin gibt es nach früheren Angaben der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung ein Potenzial zum Bau von rund 50.000 Wohnungen auf den Dächern. Die Wohnungsbaugesellschaft Mitte (WBM) stellte bereits vor zwei Jahren Pläne zur Dachaufstockung vor. Um den Bau von Wohnungen in den Dachgeschossen zu erleichtern, hebt die Stadtentwicklungssenatorin ein Rundschreiben aus dem vergangenen Jahr auf.

Darin hatte die Senatsverwaltung erklärt, dass Bäume vor einem Wohnhaus grundsätzlich nicht mehr gefällt oder zurückgeschnitten werden sollen, um den geforderten zweiten Rettungsweg durch die Feuerwehr nachzuweisen. In der Folge war der Wohnungsbau in Dachgeschossen stark zurückgegangen. Denn der Bau eines zweiten Rettungsweges in den Häusern selbst wäre sehr teuer. Die Aufhebung des Rundschreibens bedeute nicht, dass nun mehr Bäume gefällt werden, betonte Lompscher. Möglich sei auch, einfache Spindeltreppen zu errichten. Geplant ist zudem ein Förderprogramm für den Einbau von Aufzügen.

„Berlin bleibt eine grüne Metropole“

Neben den Dachaufstockungen will Lompscher den Wohnungsbau durch eine Reihe weiterer Maßnahmen beschleunigen. So sollen die Behörden 100 neue Stellen erhalten – 40 davon sind für die Senatsverwaltung für Stadtentwicklung geplant, 35 für die Bezirke und 25 für die Senatsverwaltung für Umwelt und Verkehr. Eine Task Force soll die Entwicklung der 14 neuen Stadtquartiere steuern, darunter auf den Buckower Feldern, in Lichterfelde-Süd und auf der Insel Gartenfeld.

Baumfällungen sollen künftig bereits dann möglich sein, wenn die Baugenehmigung noch nicht vorliegt – der Bauantrag muss aber gestellt sein. So soll verhindert werden, dass sich Bauprojekte verzögern, weil von März bis November keine Bäume gefällt werden dürfen. Für die Beseitigung von Gehölzen auf Bauflächen sollen zudem die Ermessensspielräume erweitert werden. Dazu werde der Waldleitfaden überarbeitet, sagte Umweltsenatorin Regine Günther (parteilos, für die Grünen). Um Eingriffe in die Natur durch neue Grünflächen auszugleichen, dürfen auch die Stadtgüterflächen in Brandenburg herangezogen werden.

Nachdem die Grünen vor der Senatssitzung vor großen Eingriffen in die Natur gewarnt hatten, zeigte sich die Umweltsenatorin am Dienstag mit den Plänen einverstanden. „Berlin bleibt eine grüne Metropole“, sagte sie. Die Schaffung von Kleingärten werde nicht als Ersatz für eine Bebauung anerkannt. Denn die Anlage eines Kleingartens erfolge meist in unberührter Natur. Dieser Eingriff könne nicht als Kompensation betrachtet werden. Schließlich will der Senat den Bau von Wohnungen durch Genossenschaften unterstützen. Sie sollen gefördert werden und 20 landeseigene Grundstücke erhalten.