Der Berliner Unternehmer Harald G. Huth wird in diesem Frühjahr am Leipziger Platz sein Shoppingcenter XXL mit 270 Boutiquen und Läden eröffnen. Und zieht dann weiter aus der touristisch immer noch aufstrebenden Mitte ins eher vernachlässigte, aber vielleicht ebenfalls bald aufstrebende Moabit. Huth hat mit seinem Unternehmen HGHI die dortige Schultheiss-Brauerei an der Turmstraße/Ecke Stromstraße gekauft.

Er will den überwiegenden Teil der denkmalgeschützten Brauereigebäude, unter anderem das riesige Sudhaus, sanieren und auch Neubauten errichten. Seine Idee: In der Brauerei wird ein Shoppingcenter mit zwei Geschossen eingerichtet. Nicht ganz so groß wie am Leipziger Platz, aber immerhin 120 Geschäfte soll es geben. Ein Großmieter wird die Lebensmittelkette Kaufland sein, die schon der Voreigentümer vertraglich gebunden hatte.

Anwohner äußern Befürchtungen

Die jahrelangen Planungen auf dem Schultheiss-Areal sind allerdings umstritten, weil auch einige kleinere, bislang ebenfalls geschützte Gebäude in Absprache mit der Denkmalbehörde abgerissen werden sollen. „Wir bauen aber nicht das bisher oberirdisch geplante Parkhaus. Dadurch werden weitere Gebäude erhalten. Auch der Neubau an der Perleberger Straße wird niedriger“, sagt Matthias Hellriegel von der HGHI. Hellriegel hat am Mittwochabend gemeinsam mit Mittes Baustadtrat Carsten Spallek (CDU) in der Moabiter Heilandskirche das überarbeitete Konzept den Anwohnern präsentiert, mehr als 300 Interessierte waren gekommen.

Zu dem Konzept gehört auch ein Neubau an der Turmstraße. Dort soll sich der Haupteingang in die Shoppingmall befinden, die sich über das Gelände und auch durch das alte Sudhaus zieht. Den Befürchtungen der Anwohner, dass außer den hübschen, gelben Außenmauern der Brauerei innen nichts mehr vom Denkmal übrig bleibt, entgegnet Hellriegel: „Es wird nicht so sein, dass man eine Hülle hat und wir innen alles ausschlachten.“ Der Brauereistandort werde auch in den Gebäuden wahrnehmbar bleiben.

Die oberen vier Geschosse in dem Neubau sind für ein Hotel vorgesehen. Die Hotelkette Meininger, die wegen der Billigfassade ihres Hauses am Hauptbahnhof kritisiert wird und in den Schlagzeilen war, plant in Moabit ein Hotel mit 310 Zimmern. In einer unterirdischen Tiefgarage sollen 410 Parkplätze entstehen. Wie die HGHI betont, seien das 90 weniger als bisher geplant. In den oberen Geschossen des Sudhauses sind weitere Flächen für Sport und Freizeit sowie für eine kulturelle Nutzung vorgesehen.

Angst vor Kannibalisierung

Als eine Anwohnerin sagt, sie hoffe, dass bald gebaut wird, erhält sie viel Beifall. Doch viele Moabiter sehen die bevorstehenden Veränderungen kritisch. Sie haben Angst vor steigenden Wohnungsmieten, Verdrängung und teuren Läden. Zudem befürchten sie, dass die Bemühungen der vergangenen Jahre, mit Hilfe von staatlichen Förderprogrammen den Abwärtstrend in der Turmstraße zu stoppen und die alteingesessenen Einzelhändler zu stärken, umsonst waren.

„Jetzt werden hier zwei riesige Einkaufszentren hingesetzt. Das muss sich gegenseitig kannibalisieren“, sagt Rainer Balcerowiak vom Sprecherrat der Stadtteilvertretung. Damit keine Geschäfte in der Turmstraße wegen des neuen Shoppingcenters schließen, müsste sich die Kaufkraft in Moabit verdoppeln oder verdreifachen. Es sei denn, „es ist das Ziel. den Bezirk so umzustrukturieren, dass er für die betuchten Leute attraktiv wird“, sagt Balcerowiak.

Baustadtrat Spallek sieht das anders. Inzwischen gebe es Studien, dass viele Moabiter mit der U-Bahn zum Einkaufen an den Kudamm fahren. „Die Frage ist, ob das Geld hier ausgegeben wird oder woanders“, sagt er. Die Planungen für das Shoppingcenter hat die HGHI bereits mit dem Bezirk abgestimmt. Wie Hellriegel sagt, hoffe man auf eine Baugenehmigung noch in diesem Jahr. Ein Baubeginn ist demnach spätestens für 2015 geplant.