Für alle, die den Flughafen Schönefeld weder schön noch funktional finden, ist es eine schlechte Nachricht. Doch es gibt keine Alternative: Weil der BER zu klein ist, müssen die alten Abfertigungsgebäude länger als erwartet genutzt werden. Das wurde am Freitag nach der Sitzung des Flughafen-Aufsichtsrats deutlich. Der langfristige Weiterbetrieb von Schönefeld sei ernsthaft eine Option, sagte der Berliner Flughafenkoordinator Engelbert Lütke Daldrup der Berliner Zeitung. Die Terminalbauten werden voraussichtlich weiterhin gebraucht. So äußerte sich auch Flughafenchef Karsten Mühlenfeld.
Was bislang nur als vage Idee galt, wird immer wahrscheinlicher: Der Flughafen Schönefeld (heutiges Kürzel: SXF) bleibt langfristig offen. Am Freitag bekräftigte Berlins Regierender Bürgermeister Michael Müller (SPD), dass er unverändert davon ausgehe, dass der BER 2017 zum Winterflugplan in Betrieb geht. Bisher war davon die Rede, dass der alte Flughafen dann noch fünf Jahre am Netz bleibt. Doch es ist keineswegs ausgemacht, dass SXF 2023 schließt. „Das steht nicht fest“, erklärte Mühlenfeld. „Darüber muss noch entschieden werden“ – später.

Billigfliegerterminal 2019 fertig

Der frühere DDR-Zentralflughafen Schönefeld wurde nach der Wende oberflächlich aufgehübscht und mit einfachen Bauten ergänzt, die zum Teil an Lagerhallen erinnern. Manche Wege sind nur mühselig mit Treppensteigen zu bewältigen, Sitzplätze sind rar und die Toiletten dem Ansturm oft nicht gewachsen. Trotzdem gehört der Flughafen zu den Airports, deren Verkehr am stärksten zunimmt. 1990 gab es 1,9 Millionen Fluggäste, 2014 rund 7,3 Millionen. Weiteres Wachstum ist in Sicht, weil Ryanair expandiert.

Damit die Anlage für die Zukunft fit gemacht wird, hat der Aufsichtsrat wie erwartet Geld freigegeben – 17 Millionen Euro. „Schönefeld wird 2016 und 2017 ertüchtigt“, bekräftigte Mühlenfeld. Westlich vom Terminal D entsteht ein weiteres Gebäude, in dem Fluggäste Bordkarten in Empfang nehmen und Koffer abgeben können – das Terminal F. Es soll zwei Millionen Euro kosten.

Das Terminal B wird erweitert, um mehr Platz für Check-in und Sicherheitskontrollen zu schaffen. Das Parkhaus wird saniert, die Vorfahrt dem wachsenden Verkehr angepasst. Mühlenfeld: „Die Kapazität von Schönefeld steigt auf über zehn Millionen Passagiere pro Jahr“– mehr Fluggäste als in Köln/ Bonn.

Allerdings sei absehbar, dass für Flugzeuge künftig weniger Platz sein wird. Für den Regierungsflughafen, der die geplante 48 Millionen Euro teure Zwischenlösung 2023 ersetzen soll, nimmt der Bund einen Teil des Vorfelds in Beschlag. Was dann unmittelbar vor den Terminals für Verkehrsmaschinen übrig bleibt, reicht nur noch für sechs Millionen Passagiere pro Jahr. Das heißt aber nicht, dass Terminals brach liegen müssten. Ein Teil der Fluggäste würde mit Bussen zu weiter entfernt abgestellten Flugzeugen gebracht.

Auch auf dem BER-Gelände wird gebaut. Wie berichtet beginnen nun die Planungen für ein zusätzliches Terminalgebäude, das 2019 östlich vom Pier Nord fertig werden soll. Kosten: 200 Millionen Euro. In dem Mehrstöcker sollen jährlich sechs bis acht Millionen Fluggäste von Billigfluglinien abgefertigt werden.

2023 soll der BER dann Platz für 40 Millionen Fluggäste pro Jahr haben – heute wären es nur 22 Millionen. Weitere Ausbauten sollen ab 2018 geplant werden. „2024 müssten die ersten Maßnahmen umgesetzt sein“, so Mühlenfeld. Denkbar sei, auch neben dem Pier Süd ein Terminalgebäude zu errichten.

Müller: Die Zeit wird knapp

Fünf Rauchgasventilatoren unter dem Terminaldach sind zu schwer, Stahlbühnen müssen verstärkt werden. Dieses Problem sei zwar „ein Rückschlag und keine schöne Situation“, sagte der Regierende Bürgermeister. Es gebe aber keinen generellen Baustopp auf der Baustelle.

Die Planer hätten Reserven in den Zeitplan eingebaut. „Es gehört zur Wahrheit zu sagen, dass der Puffer knapp wird. Es gibt nicht mehr viel Spielraum.“ Im Dezember soll die Flughafengesellschaft ein Konzept vorlegen, wie sie die Fertigstellung beschleunigt. Doch Müller bekräftigte: „Ich bin nach wie vor der Ansicht, dass die Bautätigeit am BER 2016 beendet und der Flughafen 2017 an den Start gehen kann.“