In der mattgläsernen Halle der Firma Younicos im Technologiepark Adlershof trifft Umweltsenator Michael Müller auf eine Art Abbild der Berliner Energieversorgungsstruktur im Labormaßstab. Ein riesiger Schiffsdiesel dominiert die eine Hälfte der Halle, die ansonsten mit haushohen grauen Natrium-Schwefel-Hochtemperatur-Batterien, Wechselrichtern, Hochspannungsschaltern und anderem Gerät vollgestellt ist. Der fossil betriebene Generator gibt dabei den Takt, nämlich die Netzfrequenz von 50 Hertz vor. So ist es auch im großen Maßstab in Berlin aus, wo überwiegend große fossil gefeuerte Vattenfall-Kraftwerke Strom produzieren.

Ziel von Younicos ist, fossile Stromerzeuger möglichst bald durch erneuerbare Energien überflüssig zu machen, im Labor- und im echten Maßstab. Ingenieure der 2006 von zwei Solarpionieren gegründeten Firma haben dazu ein System auf Basis von riesigen Speicherbatterien und einer – natürlich „intelligenten“ Steuerung – entwickelt, die Stromschwankungen durch Wind- und Solarstrom zuverlässig ausgleichen sollen. Damit würden herkömmliche Kraftwerke zur Frequenzregelung in mit volatilem Wind- und Sonnenstrom gespeisten Netzen überflüssig. Bereits jetzt speist die Firma gegen Entgelt solchen „Regelstrom“ ins Netz ein und plant einen Ausbau ihrer Speicherkapazität.

Forschung zum Thema „Intelligente Infrastruktur“

„Beeindruckend“ findet Müller das und lernt auch an den anderen Stationen der „VBKI Infratour“, dass die Forscher und Tüftler der Stadt etliches auf dem Sektor der erneuerbaren Energien und der Steuerung ihrer Anwendung anzubieten haben. Der Verein Berliner Kaufleute und Industrieller (VBKI), der schon früher eine Nase für gesellschaftliche Trends bewies, will solche Touren künftig regelmäßig anbieten. Eine eigene Arbeitsgruppe beschäftigt sich mit dem Thema „Intelligente Infrastruktur“.

Die ist meist komplexer, als beispielsweise der Nutzer eines der noch wenigen Elektroautos in der Stadt beim Anblick einer Ladesäule am Straßenrand vermutet. Die muss nicht nur Strom für den gemieteten Smart spenden, sondern ist auch Kontaktstelle für Steuerung und Abrechnung. Da die jetzigen vandalensicher gebauten Säulen über 10 000 Euro kosten, hat sich die Firma Ubitricity ein System ausgedacht, bei dem die Steckdosen kostengünstig an Straßenlaternen montiert werden können. In den Stecker des Anschlusskabels ist eine Elektronik integriert, die das E-Auto per Mobilfunk identifiziert, den Strom zum Betanken der Batterie freischaltet und die Rechnung erstellt. Soweit ist es mit den E-Autos von Car2Go am Potsdamer Platz noch nicht. Sie müssen vom Mieter nach Gebrauch wieder an die Stromzapfsäule zurückgebracht werden.

Im „Distributed Artificial Intelligence Laboratory“ (DAI) der Technischen Universität wird erprobt, wie man eine Flotte von E-Autos als Speicher für das Berliner Stromnetz benutzen kann. Damit die Auto-Batterie nicht leer ist, wenn man losfahren will, muss der E-Auto-Fahrer dem System seine geplanten Fahrtermine mitteilen. Ein TU-Projekt namens Connected Living wiederum hat eine Software entwickelt, die billigen Strom für den heimischen Warmwasserboiler dann einkaufen kann, wenn die Stromtarife billig sind, was aber heute noch nicht geht, der Tarif und Kraftwerksstruktur wegen. Die zu ändern, gehört zu den Aufgaben von Michael Müller.