Berlin - Berlin bekommt eine neue Modewoche. Zum ersten Mal findet ab dem heutigen Donnerstag die Berlin Alternative Fashion Week (BAFW) statt. Ein Modespektakel, das die großen Namen der Szene in die Hauptstadt holt und das Kritiker immer wieder herbeisehnen, wird die BAFW vorerst nicht sein – noch steckt die alternative Modewoche in den Kinderschuhen – dafür aber ein basisdemokratischer Versuch, nachhaltige und einzigartige Mode zu präsentieren.

„Wir sind ein transparentes Unternehmen, bei dem jeder mitmachen darf“, erklärt der in Berlin lebende Londoner Adam Rose. Er ist 29 Jahre alt, Erfinder und Leiter der BAFW. „Das ist unsere Grundidee“, sagt er. Ihm und seinen Partnern dem Briten Ray Williamson, 26, und Olof Larsson aus Schweden, 23, geht es nicht um konventionelle Laufstegschauen, wie man sie aus Paris, Mailand oder von der Berliner Modewoche kennt, die seit vielen Jahren zweimal im Jahr zumeist Alltagstaugliches zeigt. Im Vordergrund steht für Rose, Williamson und Larsson Mode als Phänomen für jeden für alle zu machen: für die teilnehmenden Designer, das Fachpublikum und vor allem für die Menschen, die die Kleidung am Ende kaufen und tragen sollen. Elitäres Fashiongetue ist nicht ihr Ding.

Die jungen Männer wollen eine Veranstaltung etablieren, die offen ist nicht für das Fachpublikum, sondern eben auch dem Verbraucher zeigt, woher die Mode kommt, die er später im Laden finden wird.

Nein zu Fast Food

Den Machern der BAFW geht es um Slow Fashion als Pendant zu beispielsweise Slow Food – der Konsument soll sich des Wertes und der Wertigkeit des Produktes gewahr werden. Mit anderen Worten: Ja zu kleinen Produzenten, nein zu Discountern: „Mode ist kein Fast Food“, erklärt Williamson, der für das Geschäftliche bei der alternativen Modewoche zuständig ist. „Wir möchten ein Bewusstsein für die unabhängigen Designer schaffen. Wir unterstützen kreative Leute und wollen der Öffentlichkeit zeigen, dass Kleidung Bestand hat und nicht schnell rausgeschmissenes Geld sein sollte“, so Rose.

Obwohl dieser Ansatz an sich nicht neu ist, wagen sie mit ihrem Gesamtkonzept, wie sie selbst sagen, einen Blick in die Zukunft der Branche – in der Individualität und Nachhaltigkeit immer bedeutender zuwerden scheinen.

Dieses Bewusstsein wollen sie auch durch die Präsentation der Kollektionen veranschaulichen. Denn es sollen nicht, wie üblich, starre Models in Sekundenschnelle über einen Laufsteg gehetzt werden. „Wir stellen unseren Designern eine freiere Plattform zur Verfügung, auf der sie ihre Kreationen präsentieren können“, erklärt Rose. Die Organisatoren und Modeschöpfer haben gemeinsam und gleichberechtigt zwei Showsequenzen, an denen bis zu zehn Designer teilnehmen sollen, entwickelt. Einen festen Rahmen wollten Rose, Williamson und Larsson dabei nur im geringsten Maß vorgeben. „Jeder Designer kann seine eigenen zeigen“, beschreibt Larsson. „Wir arbeiten mit vielen Kreativen zusammen, um die BAFW als Ganzes möglich zu machen. Das macht uns zu einer Familie“, sagt er. Einen großen Sponsor gebe es nicht, genauso wenig wie Geldgeber. „Alles basiert auf dem Netzwerk der Beteiligten“, erklärt Rose. „Deswegen beteiligt sich auch niemand nur wegen des Geldes“, fügt Larsson hinzu. In ihrer alternativen Mode-Familie gehe es nur um eines: Leidenschaft.