„Ich will wieder an die Nordsee. Ich will zurück nach Westerland“, singen Die Ärzte. Nicht mehr lange, dann kann man wieder ohne Umsteigen von Berlin nach Sylt reisen.

Nach monatelanger Pause kehrt der durchgehende Intercity, der die Hauptstadt einst mit Westerland verbunden hat, auf die Gleise zurück. Ab dem 12. Juni bietet die Deutsche Bahn (DB) die Direktverbindung wieder an. Weil der Fernzug schneller ist und sich dort Sitzplätze reservieren lassen, ist er eine gute Alternative zu den Regionalzügen, die wegen des Neun-Euro-Tickets in diesem Sommer voller als sonst sein werden.

Der neue Intercity 2072 fährt laut Fahrplan täglich um 9.06 Uhr im Berliner Hauptbahnhof ab. Nach einem Stopp in Spandau, der für 9.17 Uhr vorgesehen ist, geht es über Hamburg, Husum und Niebüll nach Westerland/Sylt, das um 14.34 Uhr erreicht werden soll. Vom dortigen Bahnhof fahren Busse täglich bis nach Mitternacht zu anderen Ferienorten auf der Insel wie Wenningstedt, Kampen, List, Rantum und Hörnum – tagsüber im 20-Minuten-Takt, teilweise sogar alle 15 Minuten.

Von Berlin nach Amrum und Föhr: Nur einmal umsteigen

Dass es die durchgehende Zugverbindung Berlin–Sylt wieder gibt, nutzt auch Reisenden, die auf die Inseln Amrum und Föhr wollen. Der Intercity nimmt bis Ende Oktober Wagen mit, die in Niebüll abgekuppelt und an den Anschlusszug nach Dagebüll Mole gehängt werden. Ein Umsteigen ist nicht erforderlich. Die Fahrgäste können sitzen bleiben und das Rangiermanöver bequem durch das Fenster beobachten. Im Bahndeutsch handelt es sich um Kurswagen – die inzwischen sehr selten geworden sind.

In der Gegenrichtung, also von Westerland nach Berlin, gibt es den durchgehenden Intercity bereits seit Dezember wieder. Doch vom 12. Juni an wird der Fahrplan verändert. Dann fährt der IC 2077 um 15.23 Uhr in Westerland ab. In Niebüll nimmt er die Kurswagen aus Dagebüll Mole wieder auf und fährt dann über Husum sowie Hamburg zurück nach Berlin. Planmäßige Ankunftszeit ist am Hauptbahnhof um 20.55 Uhr.

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Westerland, alles aussteigen! Ein Intercity ist in der Sylter Inselhauptstadt eingetroffen.

Wer seine Fahrkarte früh genug kauft, kann pro Strecke für 35,90 Euro in der zweiten und 53,90 Euro in der ersten Klasse reisen. Die Sylt-Verbindung ist ab sofort, die Dagebüll-Verbindung ab Ende Mai buchbar, so die DB. Die Möglichkeit, ein Fahrrad mitzunehmen, ist in der Bahnauskunft im Internet allerdings bisher nicht vermerkt.

Schon die Deutsche Reichsbahn steuerte von West-Berlin aus Sylt an

„Mit der bequemen Direktverbindung aus der Bundeshauptstadt in die nordfriesischen Urlaubsregionen erfüllt die DB rechtzeitig zur Sommersaison einen Wunsch vieler Fahrgäste“, teilte das Unternehmen mit. Es hatte sie schon einmal gegeben, bis sie im vergangenen September wegen Bauarbeiten zwischen Berlin und Hamburg eingestellt werden musste. Bereits in den 1970er-Jahren, als noch die Deutsche Reichsbahn der DDR für den Zugverkehr in West-Berlin zuständig war, gab es die Direktverbindung nach Sylt schon – freilich nicht für DDR-Bürger, die kein Visum hatten.

Doch 2021 manövrierte sich die DB bei der traditionsreichen Verbindung selbst ins Aus. Seit Dezember verkehrt in der bisherigen Zeitlage des Sylt-Zuges um kurz nach 9 Uhr ab Berlin der Intercity Express (ICE) 870 von Dresden nach Hamburg. Den Intercity nach Westerland wollte DB Fernverkehr deshalb eine Stunde früher einsetzen. Doch um kurz nach 8 Uhr fährt bereits an mehreren Wochentagen ein Zug des privaten Betreibers Flixtrain von Berlin nach Hamburg. Damit sind beide Trassenslots belegt.

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Strandkorb an der Nordsee: Bald kann man wieder direkt von Berlin nach Sylt fahren.

Regionalbahnen und ein Müllzug mussten Trasse freimachen

Die Bahnplaner lösten das Problem in mühevoller Kleinarbeit. Der Laufweg des ICE 870 wurde gekürzt, aus Dresden kommend endet der Zug künftig in Berlin. Auf den Gleisen wurde für den durchgehenden Intercity nach Sylt wieder Platz frei. Damit ihm aber nördlich von Hamburg keine anderen Züge in die Quere kommen, mussten dort Fahrpläne angepasst werden – zum Beispiel im Nahverkehr. Auch der Zug, der den Müll von der Insel aufs Festland bringt, war betroffen. „Viele Partner waren beteiligt. Dank der guten Zusammenarbeit haben wir es nun geschafft“, so ein DB-Mitarbeiter.

Wie berichtet ist es auch möglich, mit dem Neun-Euro-Monatsticket im Juni, Juli und August nach Sylt zu reisen. Wer bereits Stammkunde des Nahverkehrs ist, fährt ohne Aufpreis. Das gilt zum Beispiel für Inhaber von Umweltkarten- und Schülerticketabos, Semester- und Seniorentickets.

Allerdings dürfen Fernzüge wie der Intercity mit dem bundesweit geltenden neuen Ticket nicht genutzt werden, sondern nur Züge des Regionalverkehrs. Mit ihnen dauert die Reise von Berlin nach Westerland acht bis neun Stunden pro Strecke, je nach Verbindung sind drei, vier oder fünf Umstiege erforderlich.