Der Mann hat es eilig. Schnellen Schrittes durchquert Uwe Fabich sein neues Reich, das Funkhaus an der Nalepastraße in Oberschöneweide. Ein knappes Kopfnicken für den Mann mit Gitarre, kurze Anweisungen für Bauarbeiter, sein Smartphone klingelt, ein Geschäft wird besprochen. Uwe Fabich, 41, drahtige Figur, kurzes dunkles Haar, Jeans und graues T-Shirt, bleibt nicht stehen. Wer mit ihm unterwegs ist, muss aufpassen, nicht abgehängt zu werden.

Fabich gehören in Berlin bereits der Veranstaltungsort Postbahnhof am Ostbahnhof, die Erdmann-Höfe in Kreuzberg, Sitz diverser Start-ups sowie der Wasserturm am Ostkreuz. Und seit Mai auch das Funkhaus in Oberschöneweide. Zwölf Millionen Euro soll der Unternehmer für die vier denkmalgeschützten Gebäude am Spreeufer bezahlt haben. Bestätigen will er die Summe nicht. Aber er sagt: „Zwölf Millionen sind nicht viel für das Gelände.“ Fabich ist Ex-Banker, der zwischen Berlin, London, Rio und New York pendelt. Als Achtjähriger kam er mit Familie aus Rumänien nach West-Deutschland. Er studierte Management und Ökonomie in Melbourne und New York. Fotografiert werden will er nicht.

Fabich ist der dritte Eigentümer des Funkhauses in zehn Jahren. Ende 2005 wurde das Gelände, das damals insgesamt 13 Hektar umfasste, erstmals verkauft. Für ganze 350.000 Euro ging es an einen dubiosen Landmaschinenhändler in Sachsen-Anhalt, der das Areal sofort zerstückelte. Den wertvollsten Teil, den mit den Sendesälen und Tonstudios ließ er Mitte 2006 versteigern. 3,5 Millionen Euro bezahlte ein israelischer Investor dafür. Neun Jahre später nun der Verkauf – für ein Vielfaches.

Studios in der Fuhrparkhalle

„Ich will hier eines der größten Musikzentren der Welt aufbauen“, sagt Uwe Fabich. Einen Masterplan habe er nicht, er vertraue da seinem Bauchgefühl. So wie vor einem Jahr, als er das Funkhaus bei einer Bootsfahrt zum ersten Mal sah. „Ein tolles Gebäude mit viel Potenzial“, befand er damals. Der Verkauf ging innerhalb eines Tages über die Bühne, auch dabei hatte er es eilig. Tempo legte er bislang auch bei der Sanierung vor: In nur sieben Wochen wurde das Dach der alten Fuhrparkhalle im Block D repariert. Die dortigen Kfz-Werkstätten mussten raus. „So etwas passt nicht mehr“, sagt Fabich. In der knapp 4000 Quadratmeter großen Halle sollen künftig Events stattfinden, Märkte, Messen, Konzerte. Oder es werden gläserne Studios eingebaut, für Musiker, mal sehen.

Rund 300 Menschen arbeiten derzeit im Funkhaus. Musiker, Fotografen, Maler, Multimedialeute, Konzertveranstalter, Verlage. Sogar Möbel werden dort gelagert. Noch, denn Uwe Fabich will kein Möbellager, sie sollen raus. Durchs Haus wabern Gerüchte, wonach er alle Mieter raushaben und dann die sanierten Räume teuer neu vermieten will. Fabich sagt: „Das ist Quatsch, die meisten Mieter sollen bleiben.“ Würden ihre Räume saniert oder umgebaut, erhielten sie Alternativangebote. Neue Mieter hat er auch schon an der Angel. Erste Kontakte bestehen mit Native Instruments, der weltweit bekanntesten Firma für digitale Instrumente. Und die New York University plane einen Studiengang für Musikmanagement.

Indie-Rock im großen Sendesaal

Musiker, die er vom Postbahnhof kennt, will er für das noch wenig kultige Oberschöneweide begeistern. „Ich bin sicher“, sagt Fabich, „dass das östliche Spreeufer für junge Leute große Zukunft hat.“ Um ihnen den Weg zu erleichtern, plant er ab dem Sommer einen Fähr-Shuttle aus der City zum Funkhaus. Darüber sei er mit der Reederei Riedel nebenan im Gespräch.

Möglichkeiten für Veranstaltungen gibt es im Funkhaus genug. Im Foyer von Block B plant Fabich Ausstellungen, die Künstler aus Rio gemeinsam mit Kollegen aus dem Haus gestalten sollen. Im alten Kultursaal könnten Rockkonzerte stattfinden.

Konzerte mit Publikum will er auch im großen Sendesaal. In dem holzvertäfelten Saal spielen üblicherweise Musiker wie Daniel Barenboim mit Staatskapelle oder Lang Lang klassische Musik ein. Fabich möchte im Saal, der über 250 Sitzplätze verfügt, auch andere Musikrichtungen für junge Leute präsentieren. Deutscher Indie-Rock in der altehrwürdigen Klanghalle, wieso nicht?

Die Geschichte des Geländes, auf dem zu DDR-Zeiten bis zu 5000 Menschen arbeiteten, ist an einzelnen Stellen noch immer präsent. Zum Beispiel im Block A, wo im 5. Stock einst die Rundfunk-Chefs tagten. Der holzgetäfelte Sitzungsraum mit den blauen Polstersesseln um den großen ovalen Tisch ist im Original erhalten. Das einstige Chefbüro ein paar Türen weiter ähnelt mit den im Haus gesammelten Honecker-Bildern, Propagandaplakaten und der Uralt-Technik einem DDR-Museum. Fabich will beide Räume so lassen. Die übrige Etage wird entkernt und zu einem riesigen Raum für gemeinsames Arbeiten und für Veranstaltungen umgebaut. Der Umbau hat bereits begonnen. Der neue Hausherr kann einfach nicht anders als Tempo, Tempo.