Berlin - Die Berliner Feuerwehr kämpft gegen die Zeit: Rettungswagen haben immer größere Probleme, den Einsatzort in der vorgegebenen Frist zu erreichen. Für Notfallpatienten verstreichen so Minuten, die über Leben und Tod entscheiden können.  Ein dramatischer Fall, der  erst jetzt bekanntwurde, ereignete sich in der Nacht zum 15. Januar  in   Zehlendorf: Ein 60 Jahre alter Anwohner der Straße Cassinohof benötigte  medizinische Hilfe – etwa zwei Minuten nach Mitternacht war  der Notruf bei  der Feuerwehr eingegangen, der Mann hatte offenbar einen Herzinfarkt erlitten.  Doch   die Rettungskräfte hatten große Schwierigkeiten, den Einsatzort zu finden. Die Siedlung,  zu der sie gerufen wurden, gibt es erst seit dem vorletzten  Jahr – die Straßen waren nicht im Kartenmaterial der Retter verzeichnet.  „Unsere Navigationsgeräte  haben die Straßen für dieses Gebiet nicht dargestellt“, heißt es in einer Stellungnahme der Feuerwehr. Erschwerend kam hinzu, dass die Retter eine weite Anfahrt hatten.

Nach Informationen der Berliner Zeitung kam der Rettungswagen aus Kreuzberg nach Zehlendorf und brauchte deshalb länger.  Die Dauer der Anfahrt wurde dem Patienten zum Verhängnis: Der   Rettungswagen traf erst 17 Minuten nach dem der Notruf eingegangen war am Einsatzort ein.    Der Mann war in der Zwischenzeit verstorben.
Das Problem ist nicht neu: Schon seit Jahren kann der Berliner Rettungsdienst seine vorgesehenen Ausrückzeiten nicht mehr einhalten. Laut Einsatz-Statistik der Feuerwehr lag die Quote der pünktlichen Einsätze  im Jahr 2015 bei nur 34,5 Prozent. Festgelegt ist eine Einsatzzeit von acht Minuten in der Innenstadt  – im Durchschnitt brauchten die  Rettungsfahrzeuge aber 9,63 Minuten.

Zu wenig Personal

Dass die Retter oft unpünktlich sind, bestätigte erst  im Herbst vergangenen Jahres ein Gutachten. Demnach hat die deutsche Hauptstadt zwar genug Rettungswachen und Leitstellen, aber zu wenig Personal. Allein bei den Besatzungen der Rettungswagen gibt es 151 Einsatzkräfte zu wenig. Würde diese nicht fehlen, hätten beispielsweise die Retter im Fall des verstorbenen  Patienten im Januar nicht erst aus Kreuzberg angefordert werden müssen.

Die Krise des Rettungsdienstes bereitet auch der   Politik  Kopfzerbrechen. Die  FDP-Fraktion  will prüfen, ob die Hauskrankenpflege möglicherweise die erste Notfallversorgung übernehmen kann.  Wenn der Rettungswagen in Zeitnot gerät, könnten mobile Altenpfleger, die gerade im jeweiligen Stadtteil unterwegs sind, per Funk alarmiert werden. Die FDP-Fraktion will prüfen, ob und unter welchen Umständen das zulässig und realisierbar wäre. Der Senat plant, die Notfallrettung auszubauen, bis die festgelegten Zeiten wieder eingehalten werden können.