Der Turm des Alten Stadthauses gleich hinter dem Roten Rathaus ist verhüllt. Leider ist es kein Kunstprojekt, vielmehr verdecken hässliche grüne Netze ein Baugerüst, das seit kurzem rings um den Turm aufgestellt ist. „Wir müssen den Turm sanieren. Sonst besteht die Gefahr, dass Teile der Natursteinfassade abplatzen“, sagt Katja Cwejn, die Sprecherin der Berliner Immobilienmanagement GmbH (BIM). Das Unternehmen ist in der Hauptstadt für 1 600 landeseigene Gebäude zuständig.

Gutachter untersuchen

Etwa 500 bis 600 Stellen müssen an dem 87 Meter hohen Turm repariert werden. Gutachter haben zunächst vom Boden aus Risse in der Fassade festgestellt, auch an Säulen und Simsen. Nun untersuchen sie die Schäden vom Gerüst aus genauer. Sie haben dabei gesehen, dass zahlreiche Fugen bröckeln und ausgebessert werden müssen – die Arbeiten sind umfangreicher als erwartet. „Das sind keine Schönheitsreparaturen“, sagt Katja Cwejn. Die Risse sollen jetzt verpresst werden. Auch Teile der Fassade aus Muschelkalk müssten ersetzt werden. Denn dringt Wasser in die Risse ein und gefriert im Winter, könnten kleine Fassadenteile regelrecht abgesprengt werden.

Dass der Stadthaus-Turm schon wieder eingerüstet werden musste, verwundert allerdings. Denn das Gebäude, Sitz der Innenverwaltung und vor über hundert Jahren nach Plänen des Berliner Baustadtrats Ludwig Hoffmann errichtet, wurde zwischen 1994 und 2005 umfangreich restauriert. Mehr als 75 Millionen Euro hat sich das Land die Arbeiten kosten lassen. Dabei wurden auch historische Figuren am Turm wieder aufgestellt. Wie Katja Cwejn betont, hätten die jetzt festgestellten Schäden mit der Generalsanierung nichts zu tun, das Material nutze sich mit der Zeit weiter ab.

Schon während der Generalsanierung verschwand der Turm kurz nach der Jahrtausendwende hinter einem Baugerüst. Ab September 2001 war er für gut ein Jahr sogar weithin sichtbar mit einer riesigen Werbeplane für ein britisches Mobilfunkunternehmen verhüllt, mit den Einnahmen finanzierte das Land einen Teil der Sanierungskosten. Zuvor hatte es zwischen Land und Bezirk Mitte jedoch einen Streit gegeben, ob und wie an Berliner Baudenkmalen geworben werden kann. Das führte zu einer Grundsatzempfehlung des Senats: Baugerüstwerbung an Denkmalen muss das Gebäude künstlerisch ansprechend darstellen und die Würde des Denkmals und der Umgebung respektieren.

Werbeplanen soll es dieses Mal am Alten Stadthaus nicht geben. „Dafür ist die Zeit zu kurz“, sagt Katja Cwejn. Denn bis November soll die Turmsanierung abgeschlossen werden. Wie hoch die Kosten sind, ermitteln die Gutachter noch.

32 Parzellen aufgekauft

Das Alte Stadthaus wurde von 1902 bis 1911 im Auftrag der damaligen Stadtregierung nach Entwürfen des Statdbaurates Ludwig Hoffmann für sieben Millionen Goldmark errichtet. Dafür kaufte das Land 32 Parzellen auf und ließ die darauf errichteten Gebäude abreißen. Das Stadthaus wurde errichtet, um den gewachsenen Verwaltungsaufwand bewerkstelligen zu können. In dieser Zeit war die Zahl der Einwohner von 500 000 auf 800 000 gestiegen. Dafür war ein sogenanntes zweites Rathaus nötig.

Nach dem Zweiten Weltkrieg hatte der Ministerrat der DDR seinen Sitz in dem Gebäude.