In Berlin hat es das noch nicht gegeben. Die Wohnungsbaugesellschaft Degewo plant in Altglienicke ein neues Wohn-Quartier, das je zur Hälfte von Flüchtlingen mit einem Bleiberecht und Berliner Wohnungssuchenden bezogen werden soll. Die 166 Wohnungen sollen bis zum Jahr 2018 an der Schönefelder Chaussee/Ecke Wegedornstraße entstehen. Noch in diesem Jahr ist die Grundsteinlegung geplant.

Degewo-Chef Christoph Beck sagte am Mittwoch, die Aufgabe bestehe darin, die Menschen, die auf Dauer in Deutschland bleiben, mit Wohnraum zu versorgen und sie zu integrieren. „ToM – Tolerantes Miteinander“ heißt das Modellprojekt der größten landeseigenen Wohnungsbaugesellschaft. Die neuen Unterkünfte werden zu 100 Prozent als Sozialwohnungen gebaut. Mietpreis: durchschnittlich 6,50 Euro je Quadratmeter (kalt).

In dem Quartier mit acht Gebäuden entstehen neben Wohnungen ein Anwohnercafé, Gemeinschaftsräume, Mietergärten und ein Integrationsbüro. Außerdem ist eine Kita mit 120 Plätzen geplant, die zugleich für die Kinder aus der Umgebung offen steht. Zwei Sozialarbeiter sollen nachbarschaftliche Aktivitäten initiieren, Patenschaften zwischen den Mietern organisieren und bei Behördengängen helfen.

Integration auch in der Architektur

Bei der Realisierung arbeitet die Degewo eng mit dem Internationalen Bund zusammen, der zurzeit mehr als 6 000 geflüchtete Menschen in Gemeinschaftsunterkünften in Berlin und Brandenburg betreut. Der Internationale Bund soll bei der Auswahl der Flüchtlinge helfen, die in dem Quartier wohnen werden. Von den Flüchtlingen werden laut Degewo eine „hohe Integrationsbereitschaft“ sowie „Grundkenntnisse der deutschen Sprache“ erwartet. Die Berliner, die in die Neubauten einziehen wollen, sollen dem Zusammenleben mit Flüchtlingen offen gegenüber stehen.

Das Thema Integration und Partizipation soll sich auch in der Architektur widerspiegeln. So schaffen die Architekturbüros tafkaoo und Itten+Brechbühl aus Berlin und Wien Terrassen, die als kommunikative Treffpunkte dienen sollen. Wenig geglückt erscheint jedoch die Fassadengestaltung einiger Häuser, die an der Wegedornstraße geplant sind. Dort wollen die Architekten Laubengänge, die zu den Wohnungen führen, hinter gitterartigen Streckmetall-Fassaden verstecken. Was dem Schutz der Bewohner vor allzu neugierigen Blicken dienen soll, wirkt in der Projekt-Präsentation wie ein Gefängnistrakt. Darauf angesprochen, sagte Degewo-Sprecher Lutz Ackermann: „Details können sich noch ändern.“