Altlasten in Tegel: Asbest kommt Berlin teuer zu stehen

Steglitzer Kreisel, Internationales Congress Centrum (ICC), Palast der Republik – in all diesen Gebäuden wurde einst krebserregendes Asbest verbaut. Jetzt kommt in die Reihe der prominenten Häuser ein weiteres Objekt dazu: der Flughafen Tegel, der 1974 eröffnet wurde.

„Asbest ist in gebundener Form nach derzeitiger Kenntnis vereinzelt in wenigen Gebäudeteilen vorhanden“, teilte die Senatsverwaltung für Finanzen auf eine Anfrage des Abgeordneten Martin Delius (Piraten) mit. Wo der Asbest im Flughafen Tegel steckt, geht aus der Antwort, bei der sich die Finanzverwaltung auf die Flughafengesellschaft beruft, aber nicht hervor.

Die Berliner Zeitung fragte deswegen am Montag nach. Wir wollten von der Flughafengesellschaft wissen, ob Bereiche, in denen Fluggäste verkehren, betroffen sind und welche Auswirkungen eine Asbestsanierung auf den laufenden Flugbetrieb hätte. Antwort der Flughafengesellschaft: „Es gibt kein Asbest-Problem in Tegel.“ Der Airport unterscheide sich in seiner Bauweise nicht von den Gebäuden, die zeitgleich entstanden und für Publikum zugänglich sind, so Flughafensprecher Lars Wagner. „Notwendige Asbestsanierungen“ seien „bereits in den 90er-Jahren“ vorgenommen worden, versichert er. Solange die fraglichen Gebäudeteile nicht geöffnet oder demontiert würden, bestehe „kein Handlungsbedarf“. Wagner: „Unsere Passagiere und Gäste sind nicht beeinträchtigt.“

Für die Flughafengesellschaft könnte die Asbestbelastung des Tegeler Airports ein weiteres finanzielles Problem werden. Denn bei der geplanten Rückgabe der Flächen an das Land Berlin nach Einstellung des Flugbetriebs sollen Kosten für Altlasten finanziell verrechnet werden. Die Senatsverwaltung für Finanzen stellte am Montag klar: „Die Gebäude auf den Flächen des Flughafens Tegel befinden sich im Eigentum der Flughafengesellschaft. Kosten einer eventuellen Asbestsanierung sind deshalb von der Flughafengesellschaft zu tragen.“

Damit ist klar, dass Ausgaben für die Sanierung vom Bund und den Ländern Berlin und Brandenburg getragen werden sollen, die jeweils an der Flughafengesellschaft beteiligt sind. Das Land Berlin verhandelt derzeit mit der Gesellschaft über einen Rückgabevertrag für die Gebäude auf dem Tegeler Airport. „Der Rückgabevertrag wird Regelungen zu den eventuell vorhandenen Altlasten enthalten“, erklärte der Sprecher der Senatsverwaltung für Finanzen, Jens Metzger.

Wie berichtet, soll der Flughafen mit einer Größe von 460 Hektar nach Einstellung des Flugbetriebs in einen Forschungs- und Industriepark für Zukunftstechnologien umgewandelt werden. Im Mittelpunkt steht dabei der Flughafen-Terminal, der zu einem Wissenschaftsstandort entwickelt werden soll. Die Beuth-Hochschule für Technik soll 15 000 Quadratmeter Fläche in dem Gebäudekomplex belegen. Der stellvertretende Vorsitzende der CDU-Fraktion im Abgeordnetenhaus, Stefan Evers, forderte am Montag Aufklärung über die Folgen der Asbestbelastung in Tegel. „Es muss zügig Klarheit über die Kosten hergestellt werden“, sagte er.

Gerade in Bauten aus den 60er- und 70er-Jahren wurde Asbest als Brandschutz eingesetzt, weiß der Asbestsachverständige Rainer Tepasse. Beim Palast der Republik seien die Stahlträger mit Spritzasbest geschützt worden. In anderen Häusern habe man asbesthaltige Platten als Brandschutz verbaut.

Nicht jedes Gebäude bleibt nach der Asbestsanierung stehen. Der Palast der Republik in Mitte wurde zunächst vom Asbest befreit, anschließend jedoch abgerissen, um Platz für den Wiederaufbau des Berliner Schlosses zu machen.
Der mit Asbest belastete Steglitzer Kreisel soll dagegen erhalten bleiben. Eine Investorengruppe aus Leipzig und Berlin will das leerstehende Bürohochhaus nach der Asbestsanierung, die das Land Berlin bezahlt, bis Ende 2017 zu einem Wohnhaus umbauen.

Offen ist die Zukunft des ICC. Das Land Berlin will zwar 200 Millionen Euro für die Sanierung des erneuerungsbedürftigen Gebäudes bereit stellen. Doch das reicht nicht. Der Bedarf wird auf bis zu 400 Millionen Euro geschätzt. Um die Kosten nicht alleine aufbringen zu müssen, will der Senat nach einem Investor suchen, der sich beteiligt. Ein Beratungsunternehmen ist derzeit beauftragt, wirtschaftlich tragfähige Konzepte für die Nutzung, Sanierung und Finanzierung des ICC zu entwickeln. Bei einer „Marktabfrage“ soll ermittelt werden, ob es Interessenten für die Konzepte gibt. Diese Phase soll laut Wirtschaftssenatorin Cornelia Yzer (CDU) bis Ende März 2014 abgeschlossen werden.

Bis zur Sommerpause 2014 sollen die Konzepte weiter konkretisiert werden. Danach ist laut Yzer „voraussichtlich ein weiteres europaweites Ausschreibungsverfahren erforderlich“. Das bedeutet, dass sich sehr lange nichts im ICC tun wird. Das Gebäude soll voraussichtlich Ende des ersten Quartals 2014 stillgelegt werden. Dann soll der als Ersatz für das Messe- und Kongressgeschäft im ICC gedachte City-Cube fertig sein, der am Standort der früheren Deutschlandhalle entsteht.

In der CDU-Fraktion gibt es Kritik an der Länge des Verfahrens. „Das ICC braucht eine klare und verlässliche Perspektive“, sagt Fraktionsvize Stefan Evers. „Es gibt eine Reihe von privaten Investoren, die unterschiedliche Nutzungsvorschläge gemacht haben. Es ist nun an der Wirtschaftsverwaltung, diese zügig zu bewerten und die Umsetzung auf den Weg zu bringen.“