Berlin - Eigentlich sind es nur gut 60 Meter, auf denen gebaut wird. Trotzdem wird die Köpenicker Altstadt vom heutigen Sonnabend an für vier Wochen für den Verkehr gesperrt. Die BVG wechselt im Bereich Kirchstraße–Freiheit–Alt-Köpenick zwei Weichen aus und erneuert die Gleise. Künftig sollen dort moderne Niederflurbahnen nach Adlershof fahren. Was sich nach wenig anhört, hat riesige Auswirkungen – in der Altstadt geht faktisch nichts mehr.

Sieben Straßenbahn-Linien, vier BVG-Buslinien sowie sämtliche Autos kommen bis zum 27. November nicht durch. Für Pkw besteht zudem Park- beziehungsweise Halteverbot. Wer beispielsweise ins Rathaus Köpenick muss oder das Schloss besuchen will, sollte sich auf einen Umsteige-Marathon einrichten. Denn die Straßenbahnen enden an der Lindenstraße/Bahnhofstraße oder am Köllnischen Platz in Spindlersfeld. Von dort aus quälen sich dann Ersatzbusse durch die engen Altstadt-Straßen. Die Bahnen vom Krankenhaus Köpenick fahren in Richtung Wendenschloss.

Keine Koordinierung der Arbeiten

Doch wer glaubt, Ende November seien die Beschwerlichkeiten vorbei, der irrt. Denn wenn die modernen Schienen liegen und die Straßen neu gepflastert sind, folgt das nächste Altstadt-Chaos. Im kommenden Frühjahr kommen die Berliner Wasserbetriebe und graben an derselben Stelle alles wieder auf.

Es ist ein Chaos mit System. Denn eigentlich war geplant, dass Verkehrs- und Wasserbetriebe jetzt parallel arbeiten. Eine praktische Lösung, da die meisten der sanierungsbedürftigen Wasserrohre direkt unter den Tram-Gleisen liegen. Doch fünf Tage vor Baubeginn sagten die Wasserbetriebe ab. „Wir haben versucht, die Bauzeiten zu optimieren, doch das ist misslungen“, sagt Astrid Hackenesch-Rump von den Wasserbetrieben. Was etwas kryptisch klingt, hat folgenden Hintergrund: Die geplante Sanierung und Erneuerung von Trinkwasser- und Abwasserleitungen sollte bis zum Frühjahr 2013 dauern.

Deshalb gab es vom Tiefbauamt Treptow-Köpenick die Auflage, bei Frostwetter, also wenn nicht gearbeitet werden kann, für provisorisch befahrbare Wege zu sorgen. Das habe den Verantwortlichen der Wasserbetriebe offenbar missfallen, heißt es im Rathaus Köpenick. Am Freitag, einen Tag vor Baubeginn, lag im Bauamt noch immer keine offizielle Stornierungs-Ankündigung der Wasserbetriebe vor.

Kein Einzelfall, sondern Berliner Alltag

Für Baustadtrat Rainer Hölmer (SPD) ist die ganze Situation zutiefst misslich: „Unser Tiefbauamt hat alles versucht, um die Belastungen für Anwohner und andere Betroffene so gering wie möglich zu halten“, sagt er. Die schlechte Koordinierung von Leitungsarbeiten sei beileibe kein Köpenicker Einzelfall, sondern Berliner Alltag. Immer wieder würden Straßen aufgerissen und wieder zugemacht, dann komme der nächste Betrieb und alles beginne von vorn. Hölmer: „Es ist leider so, dass Leitungsbetriebe wie BVG, Wasserbetriebe oder Telekom ihre Arbeiten lediglich ankündigen.

Die Tiefbauämter müssen sie genehmigen.“ Die Bezirke hätten keinerlei rechtliche Möglichkeiten, Arbeiten abzulehnen oder gar Sanktionen gegen Firmen zu verhängen, die länger bauen als vereinbart. Seit Jahren, so Hölmer, mahnten er und seine Kollegen aus den Bezirken eine bessere Koordinierung von Leitungsarbeiten an. „Die zuständigen Senatoren hören sich immer alles an, getan wurde aber bislang nichts.“

Dass es besser gehen kann, zeigt Hamburg. Dort gibt es das sogenannte Aufgrabungs-Verbot. Das besagt, dass vor Straßenarbeiten alle Leitungsbetriebe gefragt werden, ob sie im betroffenen Abschnitt arbeiten wollen oder müssen. Sagen sie Nein, gilt das für fünf Jahre. Rainer Hölmer hält diese Regelung für vernünftig, ihre Tauglichkeit für Berlin sollte geprüft werden.

Es gibt übrigens einen zusätzlichen Grund, die gesperrte Altstadt zu meiden: Ab Montag ist das Bürgeramt im Köpenicker Rathaus zu. Bis März wird dort umgebaut.