Am Bogen in Spandau: Asbest in Wohnanlage wurde illegal entsorgt

Die Mieter der Wohnanlage an der Straße Am Bogen in Spandau bekommen neue Fenster. Und genau das ist das Problem. Inzwischen hat sogar die Kriminalpolizei die Ermittlungen aufgenommen. Es geht um illegale Abfallentsorgung – und um ein großes Gesundheitsrisiko für die Mieter. Es geht um Asbest.

„Wir haben Ermittlungen eingeleitet wegen Verstoßes gegen das Chemikaliengesetz und die Gefahrstoffverordnung“, sagte ein Polizeisprecher am Montag der Berliner Zeitung. Die Ermittler haben den Verdacht, dass eine vom Eigentümer beauftragte Firma illegal asbesthaltiges Material entsorgt hat.

Eigentümer des Hauses Am Bogen im Ortsteil Falkenhagener Feld ist die Vonovia AG. Das DAX-Unternehmen besitzt und verwaltet nach eigenen Angaben rund 355.000 Wohnungen und ist in Berlin einer der größten Vermieter. Seit einiger Zeit lässt Vonovia in dem Zehngeschosser, der mehrere Aufgänge hat, Fenster und Fensterbänke austauschen.

Bis zum vergangenen Wochenende seien dabei asbesthaltige Materialien einfach rausgerissen und in Container geworfen worden, berichten Anwohner. „Die Baufirma hatte eine billige Polen-Truppe beauftragt, die mit Stichsägen ans Werk gegangen ist“, sagt ein Anwohner. „Das hat mächtig gestaubt. Atemmasken hatten die auch nicht auf.“

Strenge Vorschriften

Mit dem Staub machte sich in der Wohnanlage die Angst breit: „Möglicherweise haben Hunderte Leute hier krebserregende Asbestfasern eingeatmet“ sagt eine Frau. Sie kann sich wie viele andere Nachbarn nicht vorstellen, dass in den Ende der 60er Jahre errichteten Häusern kein Asbest verwendet worden sein soll. Schließlich wurde der feuerfeste Baustoff noch bis in die 80er Jahre in Tausenden Häusern verbaut.
Asbest muss vorsichtig durch Spezialfirmen entsorgt werden, so schreibt es die technische Regel für Gefahrstoffe der Bundesanwalt für Arbeitsschutz vor. Entsorger sind entsprechend zertifiziert.

Arbeiter müssen Schutzanzug, Atemmaske und ärmeldichte Handschuhe tragen. Die Entsorgung ist mit mindestens 100 Euro pro Tonne relativ teuer. Mieter mutmaßen, dass Vonovia diese Kosten sparen wollte. Auf das Asbest angesprochen hätten Baufirma und Arbeiter nicht reagiert, berichten Bewohner. Am Wochenende reichte es dann einigen Mietern: Sie erstatteten Anzeige. Sie gaben der Polizei auch Fotos. Sie zeigen die alten Holzfenster nach dem Ausbau. Dazwischen lagern Asbest-Platten. Mit diesen sind die Handwerker auch nicht besonders vorsichtig umgegangen. Die Schleifspuren und der Abrieb am Boden zeugen davon.

Proben genommen

Die Polizei reagierte auf die Anzeige schnell. Es seien Beweismittel gesichert worden, sagte ein Sprecher. Bereits am Montagmorgen nahmen Mitarbeiter des Dezernats für Umweltdelikte des Landeskriminalamtes Proben des entsorgten Materials. Sie sollen im Labor untersucht werden. Am Montag kam dann auch eine Fachfirma, die das Asbest wegschaffte. Die Vonovia AG erklärte unter anderem, dass sie renommierte Montageunternehmen oder Monteure beauftrage, die bei Vonovia angestellt seien. „Wir legen allerhöchsten Wert auf die Sicherheit und Gesundheit unserer Mitarbeiter und Mieter.“

Mit Start der Arbeiten sei festgestellt worden, dass Teile an den Fensteranlagen aus Asbest bestehen. „Mit den ersten Hinweisen haben wir die Fachfirma bereits beauftragt. Der Start der Arbeiten war definitiv für Montag terminiert gewesen. Damit haben wir frühzeitig reagiert“, so eine Unternehmenssprecherin. Und weiter: „Wir können die Verunsicherung der Mieter verstehen, aber die Bauteile stellen mit der bestehenden Beschichtung kein Risiko dar. Selbstverständlich werden wir auf alle Mieter zugehen, um den Sachverhalt zu erläutern.“