Wer Kinder im Alter von 3 bis 13 hat, merkt schnell, dass es am Zeitungskiosk Dinge gibt, die nichts mit Lesen zu tun haben. Da liegen unendlich viele Zeitschriften über irgendwelche unbekannten Kinderbuchhelden oder weltbekannte Comicfiguren. Damit die sich besser verkaufen, gibt es Zugaben: Im aktuellen „Bummi-Heft“ zum Beispiel ein Mini-Feuerlöscher, der tatsächlich funktioniert. Wir haben es morgens auf dem Balkon probiert und die Blumen der Nachbarn bespritzt.

"Die perfekte Waffe für echte Helden"

Nun gibt es eine gesellschaftliche Aufwallung wegen des aktuellen Micky-Maus-Heftes, denn als Zugabe gibt es ein fast 30 Zentimeter langes Messer mit einer Klinge aus goldenem Kunststoff. Im Heft steht ein Satz, der die Aufregung zusätzlich anheizt: der Ninja-Dolch sei „die perfekte Waffe für echte Helden.“

Die Aufregung hat damit zu tun, dass es nicht einfach die Nachbildung eines Küchenmessers ist, sondern ein Kampfmesser – ausgerechnet in Zeiten, in denen Messer bei vielen gewaltbereiten Jugendlichen die neue Trendwaffe ist, so ähnlich wie zweckentfremdete Lastwagen bei bestimmten Terroristen.

Berliner Elternvertreter empört

Berliner Elternvertreter sagen, es sei eine unsensible Aktion mit falscher Signalwirkung. Beklagt wird von manchen Eltern, dass ausgerechnet ein Mordwerkzeug die Beigabe ist, obwohl Kinder doch lernen sollen, Konflikte gewaltfrei zu lösen. Die Berliner Polizeigewerkschaft gibt zu bedenken, dass die Erziehung der Kinder durch die Eltern und die Gesellschaft erfolgen solle – und nicht durch Micky Maus.

Der Dolch ist ganz klar nur ein Spielzeug

Der Verlag teilte mit: „Nichts steht unserem Unternehmen ferner als Gewaltverherrlichung.“ Der Dolch sei ganz klar als Spielzeug erkennbar. Auch bei Kinderpsychologen gäbe es eine kontroverse Debatte, ob Rollenspiele als Pirat oder Cowboy mit Spielzeugwaffen nicht auch ein Bestandteil der natürlichen Entwicklung seien.

Jeder erinnert sich natürlich an die Kunststoffschwerter der Kindheit. Auch wir haben uns als Kinder leidenschaftlich mit Spielzeugpistolen beschossen und hatten später überhaupt gar keine Lust, zur Armee zu gehen. Und obwohl unser Sohn diesmal als Ritter mit Gummischwert zum Fasching ging, ist er nicht durch Gewalt aufgefallen.

Geht es also um Hysterie, um eine idealisierte Welt oder um berechtigte Sorgen? Im aktuellen Bummi-Heft wirbt Playmobil für Bankräuber-Spielfiguren, die „auf der Flucht“ sind. Werden Jungs, die damit spielen, später zu Gangster-Rappern?

Früher gab es mal ein Spielzeug-Set mit Bauarbeitern, dazu gehörten nicht nur Schaufeln und Schubkarre, sondern auch drei Bierkästen. Im Katalog sagt ein Bauarbeiter: „Das ist heute schon meine fünfte Flasche.“ Der andere sagte: „Macht nichts, es ist noch genug da.“ Nach Protesten des Jugendministeriums flogen die Bierkästen aus dem Set.