Der älteste Markt der Stadt,  Molkenmarkt genannt, weil am nahen  Mühlendamm in der aufgestauten Spree Schneid-, Walk- und Getreidemühlen (Molken) klapperten: In der Aufnahme von 1902 ist seine historische Dreiecksform gut zu erkennen.

Die Spandauer Straße führt zum Roten Rathaus. Am Molkenmarkt stand – bis um 1370 – das erste Berliner Rathaus. Ob dort auch eine Rolandfigur als Symbol der Bürgerschaft stand, ist möglich, aber unbewiesen.
1902 stellt sich der Platz mit Handels- und Geschäftshäusern bebaut dar: Herrenmoden, Tuchhandel,  Destille. Die Straßenbahn fährt schon elektrisch. Die Bebauung mit Bürgerhäusern und einigen Adelspalais  ist kleinteilig und abwechslungsreich.

Streit über neues Quartier

Nichts davon – außer dem Rathaus – ist heute noch im Stadtbild zu finden. Schon in der NS-Zeit begannen dramatische Veränderungen: Zur Anlage eines Gauforums riss man einen Teil der Häuser ab. Im Krieg wurde der Molkenmarkt und seine Umgebung stark zerstört, doch zumindest die Straßenzüge waren noch erkennbar geblieben.
Vor allem  der Umbau zur verkehrsgerechten sozialistischen Stadt in den 1970ern, der eine breite Schneise für die Grunerstraße schlug, ließ die alte Struktur verschwinden. 80 Prozent des früheren Platzraums wurden  reine Verkehrsfläche.

Das wird sich in den nächsten Jahren ändern. Die Straßenzüge sollen sich dem alten Verlauf wieder annähern, ein neues Stadtviertel wird auf dem Molkenmarkt entstehen. Wie das allerdings aussehen wird – ob billige Einheitsarchitektur oder ein interessantes, attraktives, lebendiges  Innenstadtquartier entsteht, ist völlig offen.

Doch eines steht fest: Die Grunerstraße wird deutlich schmaler. Vor dem neuen Quartier wird sie nach links Richtung Rathaus schwenken, um direkt am Rathaus wieder rechts abzubiegen. Kurz vor der Biegung stand bis zu seinem Abriss 1889 über Jahrhunderte das Haus älteste Bürgerhaus der Stadt, das Haus Blankenfelde. Dort war seit 1390 die namensgebende Familie ansässig, die zahlreiche Bürgermeister stellte. Dieses Bürgerhaus als einen historischen Leitbau am originalen Standort in die Neubebauung einzugliedern, gehört zu den Vorstellungen von Stadtplanern, die ein durch kleine Parzellen strukturiertes Quartier anstreben.

Folgt man der Einbiegung der Straße entlang der Rathaus-Rückseite, wo auch die neue  Straße verlaufen wird, so stand man zu der Zeit, als die Molkenmarkt-Aufnahme entstand, auf ein Kraftwerk, das die nähere Umgebung mit Strom versorgte. Die beiden großen Schornsteine ragen rechts auf der Aufnahme über die Dächer. Die Grundmauern des Kraftwerkes fanden Archäologen im Frühjahr 2019 bei ersten Grabungen.