Am Pankower Tor entsteht ein neues Wohngebiet

Nach den Wohnungen wird schon gefragt, noch bevor sie überhaupt gebaut worden sind. Wo er sich bewerben könne, fragt ein Mann aus Pankow den Möbel-Unternehmer Kurt Krieger. „Bei mir“, sagt der 67-Jährige und hat die Lacher im Saal auf seiner Seite. Lässig gekleidet, mit schwarzem Kapuzenpulli, präsentierte Krieger (Möbel Höffner, Sconto) am Dienstagabend vor Anwohnern seine Pläne für das 40 Hektar große Gelände, das früher zum Güterbahnhof Pankow gehörte und über das Eigentümer und Investor Krieger sieben Jahre lang mit dem Bezirk und dem Senat streiten musste.

Bislang viele Skeptiker

Vor allem über ein etwa 30.000 Quadratmeter großes Einkaufszentrum, das nach Kriegers Plänen gemeinsam mit zwei großen Möbelmärkten entstehen sollte, schien es keine Einigung mit dem Senat zu geben. Denn so ein riesiges Einkaufszentrum könne den bestehenden Einzelhandel schädigen und passe nicht in die berlinweite Planung, hieß es. Sogar von Kannibalismus war die Rede.

Von solchen Argumentationen will der Senator für Stadtentwicklung, Andreas Geisel (SPD) heute nichts mehr hören. Mit deutlichen Worten distanzierte sich der SPD-Politiker im Beisein von Krieger von der jahrelang hinderlichen Einschätzung seiner Kollegen in der Verwaltung. „Die Skeptiker in meinem Hause waren sehr dicht gesät“, sagte Geisel. Er hingegen habe ein außerordentlich großes Interesse, dass dieses Gelände nicht länger brach liege. Denn nach Pankow ziehen immer mehr Menschen, im Laufe der vergangenen Jahr kamen rund 80.000 neue Bewohner. Überall werden Wohnungen gebaut und die Infrastruktur entwickelt sich. „Doch der Einzelhandel blieb seit 15 Jahren unverändert“, sagt Geisel

Deshalb wird das geplante 30.000 Quadratmeter große Einkaufszentrum mit Kultur-, Dienstleistungs- und Gastronomieangeboten, das nun am U- und S-Bahnhof Pankow errichtet wird, nicht mehr als ungeliebte Konkurrenz, sondern als „notwendige Bereicherung“ charakterisiert, sagt Pankows Stadtrat für Stadtentwicklung Jens-Holger Kirchner (Grüne).

Exemplarisch machte Geisel am Pankower Tor deutlich, was künftig auch in anderen Teilen der Stadt möglich sein wird. Anstelle eines große Parks, den Krieger in der Mitte des Geländes anlegen wollte, werden dort nun 1000 Wohnungen gebaut. Die Stadt wird davon etwa 250 Wohnungen zu einer Kaltmiete von 5,50 Euro auf die Dauer von 20 Jahren vermieten. Vorerst geplant sind Häuser mit drei bis fünf Etagen. Dicht aneinandergereihte Blöcke sind nicht erwünscht. „Wohnen und Grün“ sowie „Licht und Luft“ lauten die Vorgaben für zehn Architekten, die Krieger beauftragt, bis zum Sommer ihre Entwürfe einzureichen. Der Unternehmer hat dem Land Berlin zwei Grundstücke geschenkt, auf denen Berlin für 61 Millionen Euro zwei dringend benötigte Schulen (Grundschule, Sekundarschule für insgesamt bis zu 1600 Schüler) bauen wird.

Nach jahrelangen Debatten soll nun alles ganz schnell gehen. Der Bau der Schulen und Möbelmärkte könnte in zwei Jahren beginnen. Das neue Wohnviertel soll ab 2019 errichtet werden.

Geisel sagt, dass es in der Mitte Berlins nicht mehr viel Platz gebe für die jährlich geplanten bis zu 20.000 Neubauwohnungen zu sozialverträglichen Mieten. „Wir haben nicht unendlich viel Platz, wir müssen mehr in die Höhe bauen.“ Er sei sich sicher, dass die Stadt mehr Höhe vertragen könne.

Für sein Projekt Pankower Tor investiert Krieger 500 Millionen Euro. Die Granitzstraße wird er ausbauen, einen Fußgängertunnel errichten, ebenso eine Fahrradgarage für 1000 Räder.

In rot-grüner Einigkeit präsentierten Geisel und Kirchner ihre Vorstellungen einer modernen Großstadt. „Was Pankow gerade durchmacht, hat Berlin noch vor sich“, sagt Kirchner. Und der Senator nickt.