Am Steglitzer Kreisel: Stadtautobahn mit Baufehlern bekommt Stützkorsett

Berlin - Beton, Stahl, Asphalt: Auf den ersten Blick sieht das Bauwerk stabil aus. Aber der Eindruck trügt. Damit die Autobahnbrücke über die Albrechtstraße am Steglitzer Kreisel die nächsten Jahre durchhält, braucht sie ein stählernes Stützkorsett. Schon seit geraumer Zeit ist davon die Rede, in diesem Jahr soll der Unterbau nun in Angriff genommen werden. „Ziel ist es, mit der Ausführung der Behelfsabstützung 2018 zu beginnen“, sagte Matthias Tang, Sprecher der Verkehrssenatorin Regine Günther (parteilos, für Grüne).

Wer auf der A103 unterwegs ist, der merkt bereits, dass die Brücke über die Albrechtstraße nicht mehr gut in Schuss ist. Lastwagen dürfen dort nicht überholen, für genehmigungspflichtigen Schwerlastverkehr ist der Autobahnabschnitt gesperrt.

„Ich finde es nicht verwunderlich, dass an dieser Brücke etwas gemacht werden muss“, sagte Jörg Becker vom Allgemeinen Deutschen Automobil-Club (ADAC). „Zahlreiche Bauten von damals kommen in die Jahre.“

In den Sechzigern und Siebzigern wurden in Berlin viele Kilometer Autobahn gebaut. In dieser Zeit entstand auch der Südteil der jetzigen A103, der an der Ausfahrt Schloßstraße/Wolfensteindamm endet. Die Schnellstraße im Südwesten wurde 1968 eröffnet – in dem Jahr, als nicht weit davon entfernt an der Freien Universität die Studentenproteste heftiger wurden.

Busse als Konkurrenz zur S-Bahn

Auch der Bau der heutigen A103 führte zu Protesten – als erstes Stadtautobahnprojekt im Westen der Stadt. Anlass war, dass für die Autotrasse und den benachbarten Hochhauskomplex Steglitzer Kreisel viele Häuser abgerissen wurden.

Anfangs sollte die Westtangente bis in den Norden nach Wedding führen. Doch länger als 3,7 Kilometer wurde die A103 nicht – am Schöneberger Kreuz ist Schluss. Dafür sorgte unter anderem die Bürger-initiative Westtangente, einer der ersten Verbände dieser Art in Berlin.

1969 bis 1985 waren auf der Steglitzer Trasse, wie auch auf anderen Stadtautobahnen in West-Berlin, BVG-Linienbusse unterwegs – als Konkurrenz zur parallel verlaufenden S-Bahn. Für sie entstanden Haltebuchten, an denen die Fahrgäste warten konnten. Beton-Treppenhäuser führten zu den Haltestellen.

2016 wurde die Autobahn in Höhe Friedenau täglich von rund 52.000 Fahrzeugen genutzt. Auf anderen Straßen in Berlin ist mehr los, sagte Jörg Becker. „Für diese Strecke sollte viel stärker geworben werden, um die Schloßstraße und den Walther-Schreiber-Platz zu entlasten.“

Es gibt bautechnische Fehler

Kurz vor ihrem südlichen Ende verläuft die Trasse über eine rund 410 Meter lange Hochstraße, unter der heute Autos parken und Tauben nisten. Am S-Bahnhof Rathaus Steglitz führt die Albrechtstraße darunter hindurch. Dieser Bereich befindet sich nun schon seit längerem im Blickfeld der Fachleute im Senat.

Matthias Tang berichtete, warum das so ist. „Bei der Brücke über die Albrechtstraße wurden in den sechziger Jahren bautechnologische Fehler begangen.“ Unter anderem wurden „unzureichende Spannstahlsorten“ verbaut, so der Sprecher. „Einzelne damals verwendete Spannstähle waren sehr spröde“. Sie neigen bereits bei kleinen Korrosionserscheinungen dazu zu reißen.

„Diese Brücken werden besonders überwacht und schrittweise in ganz Deutschland durch Neubauten ersetzt“, sagte Tang. „Mittelfristig muss auch die Brücke Albrechtstraße durch einen Neubau ersetzt werden.“ Allerdings werden bis dahin noch mehr als fünf Jahre vergehen, die Planungen haben noch nicht begonnen, so der Senat.

ADAC fordert rechtzeitige Planung

Bis zum Abriss wollen die Senatsleute nicht warten. Der Zustand der Autobahnbrücke am Steglitzer Kreisel wurde im vergangenen März nur mit der Note 2,7 bewertet – das bedeutet „ausreichender Zustand“.

Zwar ist nun wieder von „befriedigendem Zustand“ die Rede, aber klar ist: „Die Brücke ist zusätzlich mit Behelfsabstützungen zu sichern“, teilte Tang mit. Dieses Jahr soll es losgehen – vorausgesetzt, die Absprachen mit Leitungsbetreibern und nachbarschaftsrechtliche Klärungen mit Anliegern kommen rechtzeitig unter Dach und Fach.

Kein Grund zur Panik, bekräftigte Tang. „Die Bauwerke der A103 sind stand- und verkehrssicher und befinden sich überwiegend in einem guten oder befriedigenden Bauwerkszustand“, sagte er. Doch auch Jörg Becker vom ADAC ist klar: In ein paar Jahren wird die Brücke über der Albrechtstraße zur Großbaustelle. „Der Senat sollte die Sanierung rechtzeitig planen. Dann lässt sich das entspannt machen.“