Bei Temperaturen weit oberhalb der 30 Grad ist jede Abkühlung willkommen. 
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BerlinDie einen nennen es Schwitze-Hitze, die anderen sprechen vom Höhepunkt des Megasommers. An diesem Freitag könnte in Berlin eventuell ein Rekord gebrochen werden. Der bislang wärmste Tag dieses Sommers war der 8. August mit 36,2 Grad, gemessen in Buch. Nun sind wieder 36 Grad prognostiziert.

Es wird also reichlich geschwitzt werden an diesem Tag. Doch es gibt Abhilfe. Im Internet gibt es heiße Tipps, wie die Berliner einen kühlen Kopf bewahren können: Die „Kalte Karte“ verrät, in welchen Läden, Cafés und öffentlichen Gebäuden es Klimaanlagen gibt.

Die vergangenen Tage waren eher erträglich, und es gab erfreulicherweise in Berlin sogar mal kurze Regenschauer. Und nach dem rekordverdächtigen Freitag mit seinen 36 Grad soll die Temperatur bereits am Sonnabend wieder auf maximal 25 Grad fallen.

Doch erst einmal gilt es, den Hitzetag zu überstehen. Für alle, die auch bei praller Sonne nach draußen müssen, hat sich ein findiger Programmierer etwas ausgedacht: Der Berliner Jesse Pinho schuf vor zwei Jahren im Internet die „Kalte Karte“, die bei den aktuellen Temperaturen wieder sehr oft besucht wird. In der Berlin-Karte sind Läden, Restaurants und öffentliche Gebäude eingetragen, in denen Klimaanlagen für Abkühlung sorgen.

Auf die Idee kam der Softwareentwickler, als er vor vier Jahren von Chicago in den USA nach Berlin zog. „In Amerika sind Klimaanlagen noch viel weiter verbreitet als hierzulande“, sagt der 31-Jährige der Berliner Zeitung. „In einer Stadt zu leben, in der es weniger Klimaanlagen gibt, war für mich eine große Umstellung. Weil ich als Softwareentwickler auch immer wieder kleine Spaß-Projekte nebenbei in Angriff nehme, dachte ich: Wenn man kühle Plätze sammelt, ist das sicher eine große Hilfe für mich und andere.“ So entstand die buchstäblich coolste Berlin-Karte.

Schon im vergangenen Jahr wurde das Projekt wegen der Hitze zum Hit. Inzwischen berichteten sogar ausländische Medien über die Karte, 100.000 Menschen nutzten sie schon, um im Sommer einen kühlen Kopf zu bewahren – und es werden immer mehr. Denn die Plätze werden von den Nutzern eingetragen. „Jeder kann Orte hinzufügen, von denen er weiß, dass es dort eine Klimaanlage gibt“, sagt er. „Ich vertraue den Leuten, dass ihre Vorschläge der Wahrheit entsprechen.“ Selbst überprüfen könne er die Einträge nicht.

Eingetragen sind bisher allerlei Geschäfte und Filialen von Drogerien und Supermärkten, außerdem Kinos und Museen. Auch Einkaufszentren wie East Side Mall und Eastgate sind kühle Orte. Als einer der Geheimtipps gilt die Lichtenberger Niederlassung von Ikea. Ein Nutzer schwärmt davon: Die Temperatur verschaffe dem Möbelhaus im Sommer „einen taktischen Vorteil gegenüber der Konkurrenz, insbesondere für die große Anzahl schwangerer Frauen, die eine Pause von der Hitze einlegen wollen und sich gleich Babymöbel ansehen können“.

Es gibt aber auch kalte Orte, die in der Karte nicht verzeichnet sind – weil es äußerst schwierig sein dürfte, dort kurz eingelassen zu werden, um Abkühlung zu finden. Im Immanuel-Krankenhaus in Wannsee etwa gibt es eine Kältekammer, die unter anderem in der Schmerztherapie eingesetzt wird. Dort herrschen Temperaturen von bis zu 110 Grad minus.

In den Badeseen in Berlin ist es zwar momentan nicht richtig kühl, aber mit Temperaturen zwischen 24 Grad (Müggelsee) und 27 Grad (Wannsee) immerhin erträglich.