Amazon Prime Day: Verbraucherschützer warnt: Rabatte sind oft niedriger als angegeben

Unter viel Werbetamtam hat der größte Online-Händler in Deutschland den diesjährigen „Prime Day“ schon vor Wochen angekündigt: Ab Sonntag um 0.01 Uhr soll es Schnäppchen regnen. Und zwar 48 Stunden lang, länger als in den Jahren zuvor. Der Tag – oder besser die Tage – ist eine lohnenswerte Angelegenheit für das US-Unternehmen. 2018 gingen laut Amazon in 36 Stunden rund 100 Millionen Produkte über die Online-Theke. Dieses Jahr ist die Aktion länger, Amazon wird sich einen noch höheren Gewinn erhoffen.

Doch inwieweit profitieren Kunden davon? Georg Tryba von der Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen rät zumindest zur Skepsis: „Nach unserer Beobachtung aus den vergangenen Jahren waren die Rabatte oft niedriger als angegeben.“ So bezog sich Amazon in vielen Fällen auf vorherige Preise, die der Händler in dieser Höhe nie aufgerufen hatte. „Der Rabatt lag dann in Wirklichkeit eher bei 20, anstatt bei 50 Prozent“, so Tryba. 

Größerer Rabatt bei anderen Händlern möglich

Das bedeutet zwar, dass man als Kunde durchaus ein Schnäppchen erhaschen kann, dieses muss aber womöglich nicht so groß sein, wie angegeben. Auch kann es bei anderen Anbietern auch am Prime Day einen noch größeren Rabatt geben. „Wir empfehlen einen Preisvergleich mit möglichst zwei Suchmaschinen, wenn man wirklich auf der Suche nach dem günstigsten Angebot ist“, so Tryba von der Verbraucherzentrale. 

Ablenken lassen sollte man sich außerdem nicht von dem künstlichen Zeitdruck, den Amazon erzeugt. Viele Produkte sind vermeintlich nur wenige Stunden oder zu einer begrenzten Stückzahl vorhanden. Der Test der Verbraucherzentrale in den vergangenen Jahren ergab allerdings, dass das nicht stimmte und Waren kurze Zeit später wieder neu aufgerufen wurden. 

Ein Trick, den Zeitdruck zu umgehen

Den Zeitdruck zu umgehen, dafür gibt es außerdem noch einen anderen Trick. „Unsere Empfehlung ist, sofern man sich an der Schnäppchenjagd beteiligen will, den Artikel ruhig zu kaufen und bei Bedarf von einer Stornierung oder dem Rückgaberecht Gebrauch zu machen“, sagt Tryba.
Allerdings ist hierbei Vorsicht geboten. Amazon sperrt Kunden, die zu häufig von ihrem Rückgaberecht Gebrauch machen.

Sowieso sollte man nichts kaufen, nur weil es billig erscheint. „Im Netz ist immer Schlussverkauf, solch groß aufgelegte Schnäppchen-Aktionen wird es auch in Zukunft vermehrt geben.“ Und damit auch Preisschwankungen – wann es sich wirklich um den günstigsten Preis handelt, kann der Verbraucher nicht transparent einsehen.