In der Nacht zum Donnerstag hatten Vermummte die Amazon-Zentrale in Mitte mit Steinen und Farbe attackiert. Eine Nacht später brannten Lieferfahrzeuge des Online-Versandhandels in Karlshorst und Gesundbrunnen.

In allen Fällen geht die Polizei davon aus, dass Linksextremisten die Taten verübt haben. Kurz nach 2 Uhr bemerkte ein Anwohner der Karlshorster Wallensteinstraße am Freitag einen Feuerschein aus dem vorderen Bereich eines Toyota-Transporters und alarmierte die Feuerwehr.

Weiterer Brandanschlag auf Transporter in Gesundbrunnen

Feuerwehrleute hatten nach Angaben von Anwohnern Probleme, einen Hydranten zu öffnen, weshalb sich die Flammen schnell ausbreiteten und auf einen davor geparkten Renault-Transporter übergriffen. Beide Fahrzeuge brannten aus. Auslaufendes Benzin lief brennend über die Straße, so dass noch eine Dixi-Toilette in Flammen aufging. „Als die Reifen explodierten, hörte sich das an wie im Krieg“, sagte eine Anwohnerin. In letzter Sekunde habe sie noch ihr eigenes Auto wegfahren können.“

Ein weiterer Brandanschlag ereignete sich gegen 2.30 Uhr. Eine Anwohnerin bemerkte Feuer aus einem Radkasten eines Mercedes-Transporters an der Eulerstraße in Gesundbrunnen und rief die Feuerwehr, die das Feuer löschte. Durch die Hitze wurde ein vor dem Transporter geparkter Mercedes im Heckbereich beschädigt. Der Motor- und der Fahrgastraum des Mercedes Vito wurden zerstört.

Brandanschlag auf Auto traf Kleinunternehmer

Polizisten sicherten bis zum Nachmittag Spuren an allen betroffenen Fahrzeugen. Der für die Verfolgung politisch motivierter Straftaten zuständige Staatsschutz des Landeskriminalamtes übernahm die Ermittlungen.

Die Anschläge auf die Autos trafen in erster Linie nicht den Konzern, der aus Sicht der Linksextremisten als Symbol für den entfesselten Kapitalismus gilt. Sie trafen Kleinunternehmer, die „im Auftrag“ von Amazon auf eigene Rechnung arbeiten, sowie unbeteiligte Autobesitzer. Amazon selbst will sich zu den Attacken gegen das Haus und die Autos nicht äußern. Ein Sprecher sagte lediglich: „Die Sicherheit unserer Mitarbeiter, Kunden und Partner hat für uns höchste Priorität. Wie gewohnt bieten Amazon und seine Partner den Kunden alle Services.“

2018 gab es 34 politisch motivierte Brandanschläge

Für den Konzern waren es in Berlin die ersten Attacken dieser Art. In der Vergangenheit gingen bereits Fahrzeuge von Konzernen wie der Telekom, des Catering-Dienstleisters Sodexho, der Deutschen Bahn oder von Hausverwaltungen in Flammen auf. Im vergangenen Jahr ereigneten sich nach Angaben der Polizei in Berlin 34 vermutlich politisch motivierte Brandanschläge, davon sieben auf Gebäude oder „sonstige Einrichtungen“.

27 Fälle bezogen sich auf Autos. Dabei wurden 40 Fahrzeuge direkt angezündet und 20 weitere Fahrzeuge in Mitleidenschaft gezogen. Nicht alle politisch motivierten Brandanschläge kamen von Linksextremisten. Es gab auch rechtsextremistische Anschläge etwa in Neukölln und Anschläge, die sich gegen Autos türkischer Nationalisten richteten.

In diesem Jahr zählte die Polizei neun politisch motivierte Brandanschläge auf Autos. Dabei wurden 17 Fahrzeuge direkt angezündet und weitere acht in Mitleidenschaft gezogen.

Eines der Autos hatte in der Nacht zum Donnerstag in Neukölln gebrannt. Es gehört einem AfD-Funktionär. Die Polizei nahm 39-Jährigen fest, der als Rechtsextremismus-Experte unter anderem für die Amadeu-Antonio-Stiftung arbeitete. „Wir verurteilen den Brandanschlag auf das Auto eines #AfD-Politikers aufs Schärfste, wie wir auch alle anderen Formen von pol. Gewalt verurteilen. Sie ist kein Mittel der Auseinandersetzung, egal aus welcher Richtung sie kommt. Der Verdächtige war nie bei der Stiftung angestellt!“, twitterte die Stiftung. Er sei 2015 und 2016 auf Honorarbasis tätig gewesen.