Ein Jahr lang wurden Waffenbesitzer dazu angehalten, ihre illegalen Schusswaffen bei der Berliner Polizei abzugeben- so soll verhindert werden, dass sie in die falschen Hände geraten. Damit auch diejenigen der Aufforderung nachkommen, die etwas zu verbergen haben, erklärte die Behörde, dass niemand strafrechtlich verfolgt würde. Die Frist endete am 1. Juli 2018. Jetzt kommt raus: Die einjährige Waffenamnestie war für Berlin ein Desaster. Es wurde nur ein Bruchteil von dem abgegeben, was bei der ersten Waffenamnestie 2009 ausgehändigt worden war.

"Diese Zahl ist ein Witz“

Seit dem 6. Juli 2017 wurde insgesamt 81 scharfe Schusswaffen abgegeben, davon 18 Langwaffen und 63 Kurzwaffen. Das geht aus einer Antwort der Senatsinnenverwaltung auf eine Anfrage des FDP-Abgeordneten Marcel Luthe hervor, die der Berliner Zeitung vorab vorliegt. "Diese Zahl ist ein Witz. Man muss klar sagen, dass diese Aktion keinen Erfolg gebracht hat“, sagt Luthe.

Abgegeben werden sollten verbotene Gegenstände, wie zum Beispiel Butterflymesser, Totschläger, Schlagringe. Und: Waffen sowie Munition, deren Erwerb und Besitz nur Personen ab 18 Jahren gestattet ist - wie zum Beispiel Schlagstöcke, Dolche, Gas- und Schreckschusswaffen.

Nur "ungefährliche Klientel" gab Waffen ab

Der FDP-Politiker beklagt, dass nur Leute der Aufforderung nachkamen, die sich nichts zu Schulden kommen lassen haben. "Es hat keine Person, die in Poliks (Polizeiliches Landessystem zur Information, Kommunikation und Sachbearbeitung) wegen einer Tat aus dem Bereich der Gewaltkriminalität erfasst ist, eine Waffe abgegeben", erklärt Torsten Akmann, Staatssekretär der Senatsinnenverwaltung. Poliks bedeutet . Trotz versprochener Straffreiheit hatte die Aktion nur die "ungefährliche Klientel" angesprochen, so Luthe.

"Diese Maßnahme ging am Problemfeld völlig vorbei. Ziel hätte es sein müssen, illegale Waffen, mit denen Straftaten begangen werden könnten, aus den Verkehr zu ziehen. Doch wir haben erwartungsgemäß nicht eine einzige bekommen. Das Problem in dieser Stadt sind nicht die legalen Waffenbesitzer und braven Bürger, sondern die bewaffneten Straftäter", kritisiert Luthe.

Die Waffenamnestie war bundesweit ausgerufen worden. Es ist nicht die erste Aktion dieser Art. Nach dem Amoklauf von Winnenden 2009 gab es eine erste Waffenamnestie in Deutschland. Auffällig ist, dass seitdem die Bereitschaft deutlich geringer geworden ist, illegale Waffen abzugeben. Zum Vergleich: 2009 wurden in Berlin noch rund 2000 Waffen eingesammelt, - darunter 342 illegale - und 33.000 Schuss Munition.

Was passiert mit den abgegebenen illegalen Waffen? 

"Die Waffen werden asserviert und dem Schusswaffenerkennungsdienst des Bundeskriminalamtes zugeführt, um zu prüfen, ob mit ihnen in der Vergangenheit eine Straftat begangen wurde", erklärt Akmann. Falls dem nicht so ist, werden sie vernichtet.