Berlin - Aller Anfang ist klein. Das gilt auch für die erste grüne Welle für den Fahrradverkehr, die es in Berlin gibt. Zweimal zwei Ampeln in Schöneberg sind seit einigen Monaten so geschaltet, dass sie von Radfahrern in vielen Fällen ohne anzuhalten passiert werden können. Das ist nicht viel, doch dabei soll es nicht bleiben. Jetzt hat der Senat bekanntgegeben, wo die nächste grüne Welle für Radler entstehen könnte. In der engeren Auswahl sind Abschnitte der Wilhelmstraße, die sich durch Mitte und Kreuzberg zieht, sowie der Uhlandstraße im Bezirk Charlottenburg-Wilmersdorf. Das sagte Burkhard Horn, Leiter der Abteilung Verkehr.

Die Planer und Wissenschaftler der Technischen Universität (TU) Berlin, die das vom Bundesverkehrsministerium geförderte Projekt betreuen, haben keine leichte Aufgabe. Das weiß auch Berlins Verkehrs-Staatssekretär Christian Gaebler, der selbst Ingenieur für Verkehrswesen ist. „Grüne Wellen sind verkehrstechnisch anspruchsvoll, besonders für den Fahrradverkehr“, sagte der SPD-Politiker. Ampelschaltungen, die den Fahrradverkehr beschleunigen, seien eine besonders knifflige Angelegenheit.

Manche fahren Tempo 7, andere 25

Denn während sich der Autoverkehr auf Hauptstraßen oft auf eine bestimmte Geschwindigkeit einpegelt, sind Radfahrer je nach Kondition und Fahrzeug unterschiedlich schnell unterwegs. Die einen trödeln dahin, die anderen treten auf ihren Rennrädern mächtig in die Pedale. Das macht es schwer, die Ampelschaltungen zu berechnen.

Die Geschwindigkeiten liegen zwischen zehn bis 25 Kilometer pro Stunde, so die TU-Forschergruppe, die von Professor Thomas Richter geleitet wird. Weitere Ausdehnungen der Bandbreite nicht ausgeschlossen: Bei Messungen entlang der Mühlenstraße in Friedrichshain trafen die TU-Leute auf Radfahrer, die mit Tempo 7 dahin schlichen und mit Tempo 27 davon rasten.

Je schneller, desto attraktiver

„Wir stellen uns der Herausforderung mit Teststrecken“, sagte Staatssekretär Gaebler. Der fahrradfreundlichen Ampelschaltung in der Belziger Straße, die zwei Anlagen an den Kreuzungen Akazien- und Eisenacher Straße umfasst, haben die Planer ein Tempo von 16 bis 18 Kilometer in der Stunde zugrunde gelegt. Wenn sich die Radfahrer daran halten, kommen sie in einem Rutsch durch. So sind auch die beiden Ampeln vor dem Rathaus Schöneberg geschaltet worden.

Grüne Wellen sind kein Luxus, sagt die Radlerlobby. Denn wenn Radfahrer schneller vorankommen, wird diese umweltfreundliche Form des Verkehrs noch attraktiver, und es werden auch weitere Strecken zurückgelegt. „Wir sehen die Beschleunigung des Radverkehrs grundsätzlich positiv“, sagte Bernd Zanke vom Allgemeinen Deutschen Fahrrad-Club (ADFC) Berlin.

Was nun für die Uhland- und Wilhelmstraße geprüft wird, „sollte auch in anderen Hauptstraßen durchgängig zum Regelfall werden“, forderte er. Für weitere Tests seien diese Straßenzüge gut geeignet, weil dort Radfahrstreifen markiert sind. Zanke: „Wir wissen aber auch, dass dazu erhebliche technische Anpassungen an den Lichtsignalanlagen vorgenommen werden müssen. Das dauert leider zu lange, wie so viele Radfahrinfrastruktur-Projekte.“

Wann die nächsten grünen Wellen für Radler geschaltet werden können, ist noch nicht absehbar. Ende Oktober oder Anfang November will die TU einen Bericht vorlegen, hieß es im Senat. Die Auswertung werde einige Zeit dauern.