Amri-Untersuchungsausschuss: Neues Video des Anschlags an Abgeordnete übergeben

Berlin - Der Bundestagsabgeordnete Konstantin von Notz (Bündnis 90/Die Grünen), Mitglied des Amri-Untersuchungsausschusses, kritisiert die Zusammenarbeit der Sicherheitsbehörden mit dem Bundestagsuntersuchungsausschuss.

Anlass ist ein Video, das am 19. Dezember 2016 unmittelbar nach dem Anschlag von Anis Amri auf den Weihnachtsmarkt an der Gedächtniskirche entstanden ist. Der 34 Sekunden lange Film wurde vom gegenüberliegenden Einkaufszentrum Bikini-Haus mit einem Handy gedreht. Das Video, das dem RBB und dem Politikmagazin Kontraste exklusiv vorliegt, wurde bereits im März 2018 vom Untersuchungsausschuss angefordert. Doch erst seit Anfang August haben die Abgeordneten die Möglichkeit, dieses und weitere Videos einzusehen.

Bundeskriminalamt sieht von technischer Aufbereitung ab

Im Interview erklärt von Notz: „Wir haben die Videos und anderes Beweismaterial bereits vor langer Zeit eingefordert. Dass das erst jetzt kommt, irritiert maximal.“ Den Sicherheitsbehörden ist das Material bereits seit Dezember 2016 bekannt. Die Aufnahmen zeigen den Tatort, kurz nachdem der LKW zum Stillstand gekommen und Anis Amri geflohen ist. Zu sehen sind sowohl Personen, die sich im unmittelbaren Umfeld des LKW befinden, als auch weitere Personen, die sich Richtung Bahnhof Zoo bewegen.

Das Bundeskriminalamt hat bislang von einer technischen Aufbereitung der Aufnahmen abgesehen, wie die Bundesanwaltschaft mitteilte. Die Aufnahmequalität sei, bedingt durch die schwachen Lichtverhältnisse zum Zeitpunkt der Aufnahme, zu schlecht und eine wie auch immer geartete Verbesserung oder Aufbereitung nicht möglich. Auch hätten sich aus den Aufnahmen „keine wesentlichen verfahrensrelevanten Erkenntnisse oder Ermittlungsansätze ergeben“.

Weiteres Video von Anis Amri öffentlich

Von Notz kritisiert den bisherigen Umgang der Sicherheitsbehörden mit dem Video und fordert eine kriminaltechnische Aufarbeitung der Aufnahmen. „Wir haben den Eindruck, dass man vonseiten der Ermittlungsbehörden versucht, so wenig Steine wie möglich umzudrehen, weil man Sorge hat, das man darunter etwas finden kann.“

Außerdem wurde ein weiteres Video öffentlich. Es zeigt den Terroristen Amri auf dem Weg zur U-Bahn im Bahnhof Zoologischer Garten. Er nähert sich langsam der Überwachungskamera, die an der Decke befestigt ist. Er streckt den rechten Zeigefinger in die Höhe als Zeichen des IS und verschwindet. (BLZ)