Berlin - Es sei eine besondere Nachfolge, die sie angetreten sei, sagt Bezirksbürgermeisterin Franziska Giffey (SPD) bei ihrem einjährigen Amts-Jubiläum im Neuköllner Rathaus. Am 15. April vergangenen Jahres hatte sie den ehemaligen Bezirksbürgermeister Heinz Buschkowsky abgelöst. Von ihm habe sie gelernt, wie wichtig es ist, mit den Bürgern im Bezirk in engem Austausch zu stehen. 370 Vor-Ort Termine hat Giffey daher im vergangenen Jahr absolviert.

Die wichtigen Themen waren die Förderung der Wirtschaft, insbesondere im Bereich der Kreativwirtschaft, die Einführung eines Milieuschutzes gegen die soziale Verdrängung auf Grund steigender Mieten sowie verstärkte Investitionen in die Schulen. Über 80 Prozent der Mittel für die bauliche Unterhaltung seien in Neuköllner Schulen geflossen. Die Quote der Schulabgänger ohne Abschluss lag im vergangenen Schuljahr bei 17 Prozent, deutlich über dem Berliner Gesamtdurchschnitt. „Wir müssen früher intervenieren“, sagt Giffey. Dafür sei die Einführung der Kitapflicht notwendig.

Zentrales Thema 2015 war auch die Flüchtlingsarbeit. „Wir müssen in den kommenden Jahren dafür sorgen, dass die Integration von den richtigen Stellen gut läuft“, so Giffey. Die organisierte Kriminalität als Arbeitgeber dürfte keine besseren Perspektiven bieten, als der Bezirk, betont die Bürgermeisterin. Besondere Schwierigkeit seien die parallelen Entwicklungen auf engem Raum.

Spannende Vielfalt

In Neukölln leben 160 Nationalitäten. Zwei Drittel der Schulen gelten als problematisch, überdurchschnittlich viele Familien sind auf Hartz IV angewiesen, Kinderarmut ist verbreitet. Das ist aber nur die eine Seite. Zugleich ziehen immer mehr Studenten und Kreative in den Bezirk. Da müsse man den sozialen Frieden bewahren und für Gerechtigkeit, Ordnung und Sicherheit sorgen, sagt Giffey und ergänzt: „Das macht Neukölln gleichzeitig auch spannend: seine Vielfalt und das Gefühl, dass alles permanent in Veränderung und Entwicklung ist.“