Fler vor Gericht: Rapper verlässt wutentbrannt Berliner Gerichtssaal

Im Prozess gegen Fler kommt es zum Eklat im Amtsgericht Tiergarten. Der Rapper hat keine Lust mehr auf Zeugenaussagen und knallt mit der Tür.

Der Angeklagte Patrick Losensky alias Fler
Der Angeklagte Patrick Losensky alias FlerOlaf Wagner

Rapper Fler reicht es. Stundenlang hört er Zeuginnen und Zeugen zu, die ihn schwer belasten. „Sie soll aufhören, Scheiße zu labern“, ruft er, steht auf und knallt die Saaltür hinter sich zu. Zehn Sekunden später betritt er noch einmal Saal 105 im Amtsgericht Berlin-Tiergarten. Fler hat sein Smartphone auf der Anklagebank liegen gelassen.

Kein Zweifel: Der Rapper ist stinksauer. Eine Zeugin hat ihm vorgeworfen, sich angeblich antisemitisch in einer Audionachricht auf Instagram, die er anschließend zurückgerufen haben soll, geäußert zu haben. Eigentlich geht es in dem Prozess aber um eine Prügelattacke auf ein Fernsehteam. Fler, der mit bürgerlichem Namen Patrick Losensky heißt, räumte zu Verhandlungsbeginn ein, dass er den Kameramann geschlagen habe.

Vor der Louis-Vuitton-Boutique am Kurfürstendamm kam es im März 2020 zu der Gewalttat. Eine junge Journalistin hatte Fler ein Mikrofon vors Gesicht gehalten und ihm unangenehme Fragen gestellt. Der Kameramann hielt währenddessen die Kamera auf den Rapper und seine Freundin. Ein Toningenieur stand bereit.

Frauen sind ein sensibles Thema für Rapper Fler

Zunächst, so schildern es Zeugen und der Angeklagte, sei alles recht friedlich verlaufen. Doch dann missfiel dem Rapper, dass der Kameramann – so zumindest sein Eindruck – die Kamera auch auf seine Freundin richtete. „Filmt nicht meine Frau!“, soll er von den Journalisten gefordert haben. Er sagt, ihm sei auf die Nerven gegangen, dass die Journalisten ihn bedrängt hätten. Dann drückte er offenbar erst die Kamera herunter und schlug danach zu. Flers Aussagen zufolge sollen der Toningenieur und der Kameramann zuvor die Fäuste gehoben haben. Wie die Prügelei dann en detail ihren Verlauf nahm, darüber sind sich Nebenklage und Angeklagter uneins.

Frauen sind ein sensibles Thema für den Rapper. „Ich habe keine Mutter“, sagt der Rapper vor Gericht. Auch die 20.000 Euro teure Kette lag Fler am Herzen. Der Kameramann soll sie dem Rapper im Eifer des Gefechts heruntergerissen haben oder daran hängen geblieben sein. Er schildert seine Motivation so: „Es war wie Dampf ablassen.“

Fler will künftig „Konfrontationen aus dem Weg gehen“

Der Rapper schlug auch die Kamera zu Boden, mehrfach. Dann nahm er sie mit nach Hause. Zu Hause entfernte er die Disc mit einem Schraubenzieher und brachte die Kamera zum Landeskriminalamt. Die Kosten für die Kamera wurden inzwischen erstattet. Ein 19.000 Euro teures Gerät hat Fler zerstört. Samt der Aufnahmen, die auf ihnen zu sehen waren.

Die junge Journalistin steht im Zeugenstand. Sie spricht mit brüchiger Stimme. Die 31-Jährige sagt, sie habe seit dem Vorfall eine posttraumatische Belastungsstörung. Wenn es irgendwo in einer Kneipe lauter werde, bekomme sie Panikattacken. Ihren Beruf habe sie seit neun Monaten nicht ausüben können.

Fler, so schildert es die Zeugin, soll ihr gegenüber eine Morddrohung ausgesprochen haben. Sie habe zudem während der Prügelattacke mehrere umstehende Leute angesprochen. Niemand habe eingegriffen. Schließlich versteckte sie sich in einem Hauseingang. Alles sei sehr schnell gegangen.

Im Prozess werden zwei Anklagen verhandelt. Darin geht es um den Verdacht auf Beleidigung, Körperverletzung, Bedrohung und Sachbeschädigung. Der Aussage des Musikers mit dem rauen Image war eine Verständigung der Prozessbeteiligten vorausgegangen. Fler wurde im Fall eines Geständnisses eine Gesamtstrafe von maximal einem Jahr und sechs Monaten Haft auf Bewährung zugesagt. Darin soll eine inzwischen rechtskräftig gewordene Verurteilung im März 2021 zu zehn Monaten Haft auf Bewährung einbezogen werden. In Zukunft wollte er „Konfrontationen aus dem Weg gehen“, so Fler. Der Prozess wird am kommenden Mittwoch fortgesetzt.