Romantik: Schiffsmuseum zwischen Maerkischem Ufer und Fischerinsel.
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BerlinEs gibt diese Filmszene aus „Die Legende von Paul und Paula“: Im Traum fährt das Brautpaar auf einem Kahn über die Spree. In einem bunt angemalten Holzbett liegen Angelica Domröse und Winfried Glatzeder, im Hintergrund stehen Flussschiffer in historischen Kostümen, Paulas Familie. Die Szene soll in der Rummelsburger Bucht gedreht worden sein. Steht man im Historischen Hafen an der Fischerinsel, könnte man denken, dass eine der schönsten Szenen des Films hier spielt.

Die Berlin-Brandenburgische Schifffahrtsgesellschaft kümmert sich um das Gedenken an die für die Berliner Region einstmals so wichtige Binnenschifffahrt, an deren Untergang mit dieser Spreekahn-Szene auch Heiner Carow in seinem Film erinnert.

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Der Verein hat nach dem Mauerfall den Historischen Hafen Berlin an der Mühlendammschleuse und Fischerinsel wiederbelebt. „Wir wollen, dass die historischen Binnenschiffe, die letzten Zeugen einer großen Zeit der Fluss- und Kanalschifffahrt, lebendig bleiben“, schreibt der Verein auf seiner Internetseite.  

Schiffe in Sicht! Am Historischen Hafen Berlin.
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Ein Spaziergang rund um den Museumshafen führt an überraschenden und irritierenden Gebäuden aus verschiedenen Epochen vorbei. Kommt man von der Jannowitzbrücke, passiert man einen gewaltigen Brummer später DDR-Architektur, die 1988 eröffnete FDGB-Zentrale, heute thront hier die Chinesische Botschaft. Direkt an der Spree führt das Märkische Ufer zum Historischen Hafen, vorbei am Märkischen Museum, in Sichtweite der Köllnische Park mit dem Heinrich-Zille-Denkmal.

Berlin ist nicht in den Griff zu kriegen 

Hier am Uferweg liegen die alten Frachtkähne, Fähren, Dampfschlepper, Floßschlepper, Kajütboote und Zugdampfschiffe. „Berlin ist aus dem Kahn gebaut“, hieß es vor über einhundert Jahren, denn über die Wasserstraße kam alles, was für den Ausbau einer Metropole notwendig war: Sand, Steine, Holz, Kohle. Man sollte einen Schlenker Richtung Wallstraße machen, denn hier an der Ecke steht einer der ersten Stahlbetonbauten, das 1922-23 von Max Taut gebaute Bürohaus des Allgemeinen Deutschen Gewerkschaftsbundes; es ist vollständig erhalten, denkmalgerecht restauriert und modernisiert.

Der konsequente Betonrasterbau gilt als Musterbeispiel der modernen, sachlichen Architektur der 1920er Jahre. Gegenüber befindet sich das Köllnische Gymnasium, ein quadratischer, dreigeschossiger Klinkerbau, 1868 nach Plänen von Adolf Gerstenberg erbaut, der als Stadtbaurat für viele Schulbauten verantwortlich war. Laufen wir nun zurück, erreichen wir über die Inselbrücke schnell die sagenumwobene Fischerinsel.

Hoch hinaus: Gewerkschaftshaus an der Wallstraße.
Foto: Gerd Engelsmann

Als Kind hatte ich hier Schwimmunterricht und habe mich immer gefragt, warum das Areal Insel genannt wird und was es verdammt noch mal mit Fischern zu tun hat. Die Hochhäuser sind zu riesig, ziehen den Blick an, das bisschen Ufer liegt in ihrem schweren Schatten. Und doch, trotzt man dem Sog der vorgegebenen Straßen und hält sich am Ufer, steht man bald an der Spitze der Fischerinsel.

Ein weiter Blick öffnet sich über winterfeste Kähne und die Mühlendammschleuse hinüber zum Rolandufer mit der 2004 eröffneten Niederländischen Botschaft, gebaut nach Plänen des Architekten Rem Koohlhaas. Auch zu Fuß ist man schnell auf der anderen Spreeseite.

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Dem Krach der Großbaustelle am Molkenmarkt kann der Spaziergänger in dieser Gegend kaum entfliehen. Berlin ist hier ganz bei sich. Sehr nah am Wasser, sehr schön und sehr hässlich. Diese Stadt ist einfach nicht in den Griff zu kriegen.