Berlin - In Zeiten der deutschen Teilung mussten West-Berliner bei der Fahrt mit dem Auto durch die DDR immer wieder teils stundenlang an den Grenzübergangsstellen warten. Lange Staus waren die Folge. Geändert hat sich das erst mit Unterzeichnung des Viermächteabkommens vom 3. September 1971. Die Regierung der damaligen Sowjetunion sicherte darin zu, dass der Transitverkehr zwischen den Westsektoren und dem Gebiet der Bundesrepublik ohne Behinderung sein wird. Ohne Warten ging es zwar auch danach nur selten zu, doch wurden in der Regel nur noch die Papiere kontrolliert.

Zum 50. Jahrestag des Viermächteabkommens über Berlin widmet sich das Alliiertenmuseum in Dahlem in einer Sonderausstellung der Vereinbarung der Siegermächte aus dem Zweiten Weltkrieg. „Berlin – City of Relevance“ heißt der Titel. Er erinnert daran, dass sich die Westmächte USA, Großbritannien und Frankreich mit der Sowjetunion damals nicht einig darüber waren, ob sich das Abkommen auf ganz Berlin oder nur auf den Westteil bezieht. Der Vertragstext spricht schließlich vom „betreffenden Gebiet“, auf Englisch „relevant Area“.

Es sei um eine Lösung für West-Berlin gegangen, das damals zunehmend isoliert gewesen sei, sagt Museumsdirektor Jürgen Lillteicher. Die Zugangswege seien unsicher gewesen, es habe „relative Willkür beim Transit“ geherrscht.

Lange Verhandlungen: 17 Monate bis zur Einigung

Am 26. März 1970 begannen die Verhandlungen der vier Mächte in den Räumen des ehemaligen alliierten Kontrollrats. 17 Monate später unterzeichneten die vier Botschafter das fertige Abkommen. Zusammen mit mehreren innerdeutschen Verträgen trat es am 3. Juni 1972 in Kraft. Neben der Verständigung auf einen ungehinderten Transitverkehr brachte das Abkommen für die West-Berliner unter anderem erleichterte Besuchsmöglichkeiten im Ostteil. Durch zusätzliche Fernsprechleitungen wurde auch das Telefonieren zwischen beiden Stadthälften einfacher.

Obwohl im Abkommen festgehalten wurde, dass die Bindungen zwischen den Westsektoren und der Bundesrepublik aufrechterhalten und entwickelt werden können, gab es über die Bundespräsenz im Westteil Berlins immer wieder Streit – so kam es 1974 nach dem Bundestagsbeschluss zur Gründung des Umweltbundesamtes in West-Berlin zu Protesten der östlichen Seite und zwischenzeitlich zu Behinderungen im Transitverkehr.

Volkmar Otto
Rick Buckley, 58, hat die Ausstellung über das Viermächteabkommen künstlerisch in Szene gesetzt.

Das Alliiertenmuseum beschreitet bei der Ausstellung zum Viermächteabkommen neue Wege. Neben Informationen über den Verlauf der Verhandlungen, die Ergebnisse und die geschichtliche Einordnung setzt der britische Künstler Rick Buckley die Geschichte aus seiner Sicht in Szene. Im Mittelpunkt steht dabei ein knapp siebenminütiger Videofilm, bei dem er die Gespräche im ehemaligen Kontrollratsgebäude mithilfe der Verhandlungstische, die sich heute im Besitz des Alliiertenmuseums befinden, aus künstlerischer Sicht nachstellt.

Die Ausstellung läuft bis zum 27. Februar 2022. Ort: Alliiertenmuseum, Clayallee 135, 14195 Berlin. Öffnungszeiten: Di bis So 10–18 Uhr.