Das Graffiti-Projekt The Haus hat auch am ersten Wochenende nach der offiziellen Eröffnung einen Besucheransturm erlebt. Auf Facebook posteten die Organisatoren ein Foto von der Warteschlange, die sich die ganze Nürnberger Straße entlang zog. Auch am Sonntag kursierten auf Twitter Fotos von ähnlichen Szenen - trotz des schönen Wetters wollten hunderte Berliner nach drinnen, hinein in The Haus. 

Street-Art-Interessenten standen bis zu drei Stunden an, um die 100 von Künstlern gestalteten Räume zu besichtigen. "Wir waren am Sonnabend um 15 Uhr da und mussten bis 18 Uhr warten", erzählt Carla Eckhard, die das ehemalige Bankgebäude zusammen mit ihrer Frau besuchte. "Die Leute standen bis zur Tauentzienstraße."

Um ihnen die Wartezeit zu verkürzen, hätten die Organisatoren Flyer über die Ausstellung verteilt und informiert, wie lange es ungefähr noch dauert. Etwa alle 20 Minuten seien 10 bis 20 Leute hineingelassen worden - "allerdings schien nicht konsequent kontrolliert zu werden, wie viele auch wieder rausgehen, denn als wir drinnen waren, war es relativ leer. Da hätten locker noch mehr reingepasst", meint Eckhard.

Nur 200 Menschen dürfen das Gebäude gleichzeitig betreten, so lautet die Auflage der Initiatoren, dem Sprayer-Kollektiv Die Dixons. Fotografieren oder Filmen ist drinnen streng verboten. Langwierige Kontrollen oder Methoden wie in Berliner Clubs, wo die Kameralinsen der Smartphones mit schwarzen Stickern abgeklebt werden, verzögern den Einlass aber nicht; auch keine Kasse, denn der Eintritt ist kostenlos. "Wir haben einfach eine blickdichte Tüte für unsere Handys bekommen, daran haben sich auch alle gehalten", sagt Eckhard.

Zwar sei es gut gewesen, so viel Platz zum Schauen zu haben, da wirklich jeder Zentimeter der fünf Etagen mit Sprühkunst, Installationen, Zeichnungen und Skulpturen voll sei. "Die meisten sind beglückt wieder rausgekommen - endlich mal etwas Cooles am Kudamm!", so Eckhard. "Aber drei Stunden Warten sind einfach zu lang dafür, dass man nicht mal eine Stunde drin ist. Im Nachhinein würde ich das nicht noch mal machen."

Noch bis zum Frühsommer ist die Urban-Art-Schau in der Nürnberger Straße 68 in Charlottenburg zu sehen, dann wird The Haus abgerissen. Ein befreundeter Kulturmanager war mit der Anfrage des Investors Pandion, dem die Immobilie gehört, an die Sprayer herangetreten. Dieser suchte einen Zwischennutzer für das Haus, das seit Anfang 2016 leer steht. In nur vier Monaten verwandelten daraufhin 160 namhafte Künstler aus 17 Ländern 10.000 Quadratmeter in einen knallbunten Abenteuerspielplatz.