Kaum war am Donnerstag bekanntgeworden, dass Lichtenbergs Bezirksbürgermeister Andreas Geisel neuer Senator für Stadtentwicklung wird, da tauchten auch schon die ersten Namen für seine Nachfolge auf.

Nach Informationen der Berliner Zeitung sind derzeit vier Kandidaten im Gespräch: die SPD-Abgeordneten Birgit Monteiro und Karin Halsch, die ihre Wahlkreise in Lichtenberg und Hohenschönhausen haben, der SPD-Kreisvorsitzende in Lichtenberg und Abgeordnete Ole Kreins sowie der SPD-Fraktionschef im Bezirksparlament Lichtenberg Erik Gührs. Viele Telefonate wurden am Freitag geführt und etliche SMS verschickt. Von einer „aufgebrachten Stimmung“ und „ersten Verstimmungen“ berichteten Beteiligte am Freitag, schließlich sind längst noch nicht alle Parteimitglieder informiert worden, die gern informiert worden wären.

SPD braucht Partner

Der SPD-Kreisverband Lichtenberg will in den kommenden Tagen erste Gespräche führen, doch es ist sehr unwahrscheinlich, dass es noch in diesem Jahr zur Wahl eines neuen Bezirksbürgermeisters oder einer Bezirksbürgermeisterin kommt. Gleichzeitig müssen die Sozialdemokraten sensibel mit den anderen Fraktionen im Bezirksparlament umgehen.

Vor drei Jahren hat eine Zählgemeinschaft aus SPD, CDU und Grünen den bisherigen Bezirksbürgermeister Andreas Geisel in der Bezirksverordnetenversammlung (BVV) gewählt und damit nach Jahren der Alleinherrschaft der Linkspartei, die immer noch die stärkste Fraktion im Bezirk ist, einen politischen Wechsel vollzogen. „Diese Zählgemeinschaft war sehr an die Person Geisel gebunden“, sagte der SPD-Kreisvorsitzende Ole Kreins am Freitag und bestätigte auf Nachfrage dann auch, dass er als Nachfolger Geisels zur Verfügung steht.

Die SPD braucht also verlässliche Partner bei der Wahl des neuen Bürgermeisters. „Aus eigener Kraft schafft es die SPD nicht“, sagt der 34-jährige Kreins.

Aus der SPD-Spitze hieß es am Freitag, man wolle auch das Verhältnis zur Linken überprüfen. Immerhin stellen die Linken, ebenso wie die SPD, zwei Stadträte im Bezirksamt. Die Zusammenarbeit gilt als ausgesprochen entspannt und kollegial, was, so sagen es Beteiligte, vor allem an der Integrationsfigur Andreas Geisel gelegen hat. Geisels Großvater und sein Vater waren Kommunisten, er selbst wurde mit 18 Jahren SED-Mitglied, mit 22 trat er wieder aus.

Das war im Juni 1989, als auf dem Platz des Himmlischen Friedens in Peking die Panzer rollten und die DDR diesen Militäreinsatz politisch rechtfertigte.

Das wird wohl das größte Problem bei der Suche nach einem geeigneten Nachfolger. In der Lichtenberger SPD heißt es, es müsse auf alle Fälle jemand sein, der den Bezirk selbstbewusst nach außen präsentiert und der für ein junges, modernes und familienfreundliches Lichtenberg steht, was Geisel, selbst Vater von zwei Kindern, in den drei Jahren seiner Amtszeit hervorragend gelang. Jeden noch so kleinen positiven Trend im Bezirk vermarktete der 48-Jährige medienwirksam. Als er 2011 sein Amt antrat, gestand er, dass der Neuköllner SPD-Bezirksbürgermeister Heinz Buschkowsky sein Vorbild ist, wenn es um mediale Wahrnehmung geht. Und so wird auch schnell klar, dass Geisels Parteigenossin im Bezirksamt, Stadträtin Kerstin Beurich, als Nachfolgerin nicht in Frage kommt. Eine Frist haben sich die Lichtenberger Sozialdemokraten nicht gesetzt für die Nominierung ihres Kandidaten. Man brauche nun schon etwas Zeit, hieß es am Freitag.

Geisels Posten als Bezirkschef wird derweil Andreas Prüfer kommissarisch übernehmen. Er ist stellvertretender Bezirksbürgermeister und gehört zur Linken.